April & Mathilda

Ich möchte euch heute von zwei meiner Meerschweinchendamen erzählen und zeigen, dass man für jedes Lebewesen, egal wie klein es ist oder für wie wenig Geld man es kaufen kann, alles in seiner Macht stehende tun sollte, damit es ihm nicht nur körperlich, sondern auch emotional gut geht, für ein glückliches und erfülltes Leben

 

Vor 1,5 Jahren habe ich mir einen lang gehegten Traum erfüllt, es sollten Meerschweinchen bei mir einziehen.  Und da ich noch nicht viel Erfahrung hatte (an die Kinderzimmerhaltung meines Einzelschweinchens in der Jugend denke ich ungern zurück und damals hat man leider alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann), besorgte ich mir im Vorfeld viele Infos darüber, wie man diese wundervollen Tiere optimal hält. Alles sollte diesmal perfekt sein. Nicht nur die üblichen zwei, sondern also gleich vier Tiere (1 Kastrat, 3 Mädels) wurden es, damit sie ein schönes Sozialleben führen können. Ein 8qm-Gehege über zwei Zimmer, mit Spielsachen, Unterschlüpfen, Röhren und Kuschelsachen wurde aufgebaut, damit die Kleinen genug Bewegung und Abwechslung haben. Eine artgerechte Ernährung war natürlich auch selbstverständlich. Leider ist mir aus Unwissenheit dennoch ein großer Fehler unterlaufen, der eventuell auch zu der Problematik geführt hat, wegen der ich mich an Karin gewandt habe. Und zwar sollte immer ein Tier in der Gruppe sein, das älter ist als ein Jahr, damit es als Erzieher fungieren kann. Meine Tiere waren 10 Wochen, 3 Monate und 4 Monate alt, als ich sie zu mir geholt habe. Teenager sozusagen, die nicht mehr von anderen lernen konnten, Konflikte wie Erwachsene bzw. in Ruhe richtig zu lösen. Es ging aber erst alles gut, die Gruppe war harmonisch und ich glücklich…

Nach einem ¾ Jahr bei mir, es war diesen Frühling, ging es auf einmal los mit Zickereien und Streitereien zwischen April und Mathilda.  Die beiden sind sich irgendwo im Gehege begegnet und es ging sofort das Kopf hoch reißen, Quieken und Zähne klappern los. Keiner wollte weichen. Zähne klappern ist eine starke Drohgeste unter Meerschweinchen und geht eigentlich einem Angriff mit eventuellem Biss voraus. Immer öfter kam es zu solchen Auseinandersetzungen, bis dato zum Glück ohne Biss.

April, eigentlich das Nesthäkchen war zur Wuchtbrumme und zum kräftigsten Tier in der Gruppe herangewachsen, sie war jedoch immer noch relativ ängstlich und schreckhaft. Mathilda hingegen ist eher zart im Vergleich zu den anderen, jedoch mutig, neugierig und sehr menschenorientiert. Vom äußeren Erscheinungsbild und dem Charakter her also sehr unterschiedlich, konnten sie sich schlagartig nicht mehr leiden und ich wusste mir keinen Rat, ich hatte mir doch so viel Mühe mit allem gegeben. Das Futter wurde immer im gesamten Gehege verteilt, so daß jeder ohne Stress dran kam. Alle Unterschlüpfe hatten mindestens zwei Ausgänge, es gab keine Engstellen im Gehege, an denen nicht zwei Tiere stressfrei aneinander hätten vorbei gehen können. Es war ein Kastrat vorhanden, der bei Streit zwischen Weibchen eigentlich dazwischen gehen und für Ruhe sorgen sollte (er hat sich aber lieber raus gehalten). Und trotzdem wurden die Auseinandersetzungen immer häufiger, länger, heftiger. Mathilda begann, sich von der Gruppe mehr und mehr zurück zu ziehen und hatte leicht abgenommen. Aufgrund des Stresses in der Gruppe, der das Immunsystem herab setzt,  sind dann Pelzmilben ausgebrochen, man hat also gemerkt, daß alle irgendwie unter der Situation litten. Die Milben konnten wir mit Kokosöl vertreiben, aber zu diesem Zeitpunkt merkte ich, daß ich bald handeln muss. Also habe ich mich erstmal an bereits bestehende Kontakte gewandt. Eine nette Dame von einer Notstation riet mir, die Damen zu trennen, sprich zwei Gruppen zu halten und entweder eben April oder Mathilda mit einem eigenen neuen Kastraten zu vergesellschaften. Der Gedanke erschreckte mich zuerst, ich hatte mir doch alles  so schön ausgemalt, mit dem vielen Platz für die Tiere, das wäre so dann nicht mehr möglich. Und welche Dame sollte ich raus nehmen? Und und und…Es kamen noch viele weitere Gedanken, dass es einfach nicht so ideal wäre…

Eine Züchterin erzählte, dass sie dieses Verhalten aus eigener Erfahrung gut kennen würde, Weibchen im Alter zwischen einem und eineinhalb Jahren kämen häufig nochmal in eine sog. Rappelphase, in der der Rang in der Gruppe ausgefochten wird. Und diese Phase würde umso länger dauern, je enger das Altersgefüge in der Gruppe wäre. Nachdem die Milben weg waren, entschloss ich mich also auf ihren Rat hin, der Sache noch ein wenig Zeit zu geben und wenn bei den Tieren dann mit 1,5 Jahren immer noch keine Besserung in Sicht wäre, würde ich den nächsten Schritt gehen.

Dann begann Anfang August jedoch noch eine sehr unschöne Zeit, Mathilda hatte einen Abszess am Hals, der tief zwischen Speise-, Luftröhre und Blutgefäße ging. Bis heute weiß ich nicht, ob dieser eventuell von einem Biss herrührte, möglich ist es, denn der Kiefer war in Ordnung und Fremdkörper konnte auch keiner gefunden werden, die Ursache ist also ungeklärt. Nachdem der Abszess gespalten wurde, kam es nicht zu einer Besserung und Mathilda musste in einer langen und schwierigen OP die gesamte Abszesskapsel entfernt werden. Sie hat sich nur langsam wieder erholt von den bis dahin schon länger andauernden Strapazen und just in dem Moment, wo es ihr am schlechtesten ging, wo sie dünn und schwach war, wurde sie auch noch ins Ohr gebissen. Ich habe es nicht mit eigenen Augen gesehen, aber es kann eigentlich nur April gewesen sein, die diesen Moment genutzt hat, um Mathilda zu zeigen, wer ab nun das Sagen hat. Zum Glück sind Hals und Ohr gut verheilt, der Riss in ihrem Ohr erinnert mich jedoch tagtäglich daran, dass ich sie davor nicht geschützt habe, weil ich zu lange abgewartet habe, das sind zumindest die Vorwürfe, die ich mir im Nachhinein mache

Meine gute Freundin Viola, die selbst viele wundervolle Meerschweinchen hat, durfte ich während Mathildas Abszessgeschichte kennen lernen. Sie und Karin arbeiten schon sehr lange zusammen und daher war mir Karin bereits ein Begriff, ich wusste aber auch, dass sie viel um die Ohren hat. Hilfsbereit wie Viola ist und nachdem sie wusste, wie verzweifelt ich mittlerweile war, hatte sie für mich bei Karin angefragt, ob sie eine Tierkommunikation bei meinen beiden Damen machen würde. Sie hat JAAA gesagt : ) Ich wollte gerne wissen, wie verhärtet die Fronten zwischen den beiden sind, ob noch Hoffnung besteht, dass es sich jemals wieder einrenkt und falls nicht, ob ich die Gruppe wirklich trennen und welche der beiden in diesem Fall einen neuen Partner bekommen sollte. Natürlich interessierte mich auch, ob ich selbst noch etwas tun könnte, um das Verhältnis zwischen den beiden zu verbessern. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Situation sogar noch weiter zugespitzt, wenn Mathilda an April vorbei ging, wartete April kurz ab, um dann aus einem Versteck heraus zu schießen und ihr in den Hintern zu zwicken. Als ich mir vorstellte, wie sich das anfühlen muss, tagtäglich mit der Angst zu leben, dass jeder Zeit aus dem Nichts jemand auf einen stürzen kann, um einem weh zu tun, wurde ich sehr sehr traurig, das wollte ich keine Sekunde länger für meine Mathilda.

 

Nach ihrem Urlaub im Oktober durfte ich mich also an Karin wenden und sie hat sich rasend schnell um uns gekümmert. Ich war sehr dankbar, für diese schnelle Hilfe und ihre Unterstützung. Heraus kam, dass April mittlerweile schon genervt war, wenn Mathilda nur in ihre Nähe gekommen ist, Mathilda brauchte gar nichts mehr machen, schon wurde April aggressiv und wollte sie vertreiben, ja regelrecht aus der Gruppe ausstoßen. April fühlte sich schon wie die Chefin! Es wirkte auf Karin, als würde es sich in Kürze in nicht mehr umkehrbaren Hass manifestieren. Das musste ich erstmal verdauen. Mathilda hingegen, sensibel wie sie ist, wurde immer unsicherer und wusste schon gar nicht mehr, wie sie sich noch verhalten soll. Es wurde auch deutlich, dass Mathilda sehr an der Gruppe hängt und mit nur einem Partner nicht glücklich würde. Leider verhält es sich bei April genau so, auch sie braucht eine Gruppe, nicht nur einen Partner. Die Alternative mit den zwei Gruppen, zu der ich mittlerweile bereit war, zerplatzte also wie eine Seifenblase. Auf einmal stand im Raum, für das Glück der Tiere in Betracht zu ziehen, eines woanders hin abzugeben, das fühlte sich an wie ein Schlag in die Magengegend. Ich hatte das Gefühl, ich würde dann eine im Stich lassen, aber Karin hat mich wieder auf Spur gebracht, dass es ja auch ein Liebesdienst sein kann, loszulassen. Auf der Hand lag die offensichtliche und tiefe Verbindung zwischen Mathilda und mir, sie gehöre zu mir, meinte Karin. April würde einen Umzug und die Integration in eine andere Gruppe viel besser weg stecken, weil sie tougher ist. Bevor ich diesen Gedankengengang aber zu Ende denken musste, wollten wir es trotz oder gerade wegen der stark verhärteten Fronten, zuerst mit Bachblüten versuchen.

Karin nannte mir zwei individuelle Mischungen für jede der beiden und sie sollten 4 mal täglich 1-2 Tropfen davon erhalten, oral oder auf die kahle Stelle hinter dem Öhrchen. April nahm die Tropfen erstaunlich gut, Mathilda versuchte mir jedoch regelmäßig die Spritze aus der Hand zu zerren, das hatte so keinen Zweck, sie bekam es also hinter’s Ohr. Die ersten Tage merkte ich keine Veränderung, nach einer Woche hörten die Streitereien schlagartig auf. Ich konnte es zuerst kaum glauben, bin immer um’s Gehege geschlichen, mit der Erwartung, dass es gleich wieder los gehen würde. Aber es passierte nichts dergleichen. Also gab ich die Tropfen eine weitere Woche, ich merkte aber, dass die Verabreichung die Tiere mehr und mehr stresste, daher bin ich auf 2-3 mal täglich runter gegangen. Nachdem ich in dieser zweite Woche, keine Streitereien mehr beobachten konnte, beschlossen wir, die Tropfen nach also insgesamt zwei Wochen abzusetzen. Eine weitere Woche ohne Tropfen verging und es war immer noch alles harmonisch, die beiden teilten sich auf einmal ihren Fenchel oder saßen im großen Haus zusammen. Ich war sooo soooo glücklich und dankbar, dass die Bachblüten solch eine Wirkung auf die beiden hatten. Es war unfassbar schön für mich als Halter, diese Harmonie wieder zu sehen. Nach einer weiteren Woche, kam es nun zu einem kurzen „Rückfall“ und es wurde einmal heftig gestritten, es ging jedoch um die Gurke sozusagen : ) Und ich war wahrscheinlich nicht ganz unschuldig an der entstandenen Situation, wegen der Futterverteilung. Überempfindlich wie ich mittlerweile bin, hatte ich aber gleich wieder Bedenken, es könnte von vorne losgehen. Auch hier hat mich Karin mit ihrem besonderen Blick auf die Dinge dazu gebracht, wieder klar zu denken. Als Halter neigt man natürlich dazu, alles mit anderen Augen zu sehen, da tut es unheimlich gut, dass einem jemand beisteht, der Dinge und Zusammenhänge so gut erkennt und erklärt wie Karin!

Mathilda nimmt übrigens die letzten Wochen wunderbar zu, als wäre ein Dauerstress, der an ihr gezehrt hat, von ihr abgefallen!

Wir beobachten nun einfach weiter und sollte wider Erwarten doch erneut Streiterei ausbrechen, wissen wir ja nun, dass die Bachblüten uns helfen können. Und nicht nur uns. Eine Bekannte mit der gleichen Problematik, war sehr dankbar für den Rat, es doch mal mit den Bachblüten zu versuchen. Dort ist sogar schon nach zwei Tagen Ruhe eingekehrt :-)

Vielen, vielen Dank liebe Karin, dass Du uns und so vielen anderen hilfst!!!  Ich kann alle meine vier Schätze behalten und werde Dir das nie vergessen!!!


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