Eine Horde Not-Meerschweinchen

Bei mir lebt eine Horde Not-Meerschweinchen und diese Tierchen sind immer für einige Überraschungen gut – meist im positiven, aber leider oft auch negativem Sinne.

Seppo, Pari, Cüli und Amy

Leider ist es nämlich so, dass Meerschweinchen oft falsch gehalten, ernährt und auch nicht richtig verstanden werden und sie dann zu Not-Tieren werden.

 

Die immer als wunderbare Kinder-Streichel-Tiere angepriesenen kleinen Kameraden mögen es z.B. in der Regel gar nicht, wenn sie angefasst oder gestreichelt werden und haben dann sehr starken Stress. Zudem dürfen sie das handelsübliche Getreide-Futter nicht fressen und auch Heu ist alleine nicht ausreichend, sie brauchen im Sommer wie auch Winter frisches Grün aus der Natur.

 

Eine Meerschweinchenherde sollte aus mind. 3 Tieren bestehen und pro Tier sollte mind. 0,5-1 qm Platz im Gehege zur Verfügung stehen.  

 

Dass Not-Meerschweine, die einiges durchmachen mussten, psychische und physische Defizite haben, liegt auf der Hand, daher sind wir immer bemüht, zu Entgiften, das Immunsystem aufzubauen und die Tiere auch seelisch wieder stabil zu bekommen.

 

Als ich mich diesen Sommer traute, in den Urlaub zu fahren, lebten 5 Meerschweinchen bei mir: eine fast 10 Jahre alte blinde und taube Meerschweindame namens Cüli, die 2 Jahre im Tierheim saß, dort nur gebissen wurde und anschließend bei einer Frau 4 Jahre ganz alleine in einem kleinen Käfig vor sich hin vegetierte. Weiterhin beherbergte ich zwei 4,5 Jahre alte Schweinedamen, eine davon, Pari, ist in ihrer Jugend fast verhungert und die Vorgeschichte der anderen, Amy, war ungewiss, sie muss aber auch einiges erlebt haben. Amys engste Freundin und „Seelenschwester“ Marzipan hatte einige Organschäden und wir mussten sie nach langem „Kampf“ 6 Monate zuvor über die Regenbogenbrücke ziehen lassen, was Amy sehr getroffen hatte. Unser Kastrat Seppo war in seinen ersten Lebensmonaten bei Kleinkindern und hat dort viel Negatives erlebt. Dann war da noch Felina, eine kleine, zurückhaltende und leicht unterernährte Schweinedame, 2 Jahre alt und erst 2 Monate bei uns.

Felina

Als ich im August in den Urlaub fuhr, wusste ich, dass mit Amy etwas nicht stimmte, konnte das aber nicht genauer benennen, es war einfach dieses Gefühl, dass etwas Schlimmes bevorsteht.

 

Da ich eine gute Freundin gefunden hatte, die in Bezug auf Tiere genauso denkt, wie ich es tue und die ein wunderbares Gespür für unsere kleinen Freunde hat, durfte ich meine Meerschweinchen bei ihr für 2 Wochen einquartieren und war mir sicher, sie sind dort in den besten Händen.

 

Anfangs lief alles gut, die Tiere fühlten sich wohl und waren gesund. Nach 1 ½ Wochen, an einem Dienstag, bekam ich jedoch im Urlaub den Anruf, dass es der kleinen Felina nicht gut ginge, sie wäre lurig und die Hinterbeine wären gelähmt bzw. habe sie keine Kraft, diese zum Laufen zu benutzen. Die Lähmung zog sich schnell bis zur Hüfte hoch und durch jahrelange Erfahrung in Meerschweinchenhaltung konnte ich anhand dieser Symptome nur die Merschweinchenlähme benennen, eine Krankheit, die noch recht unerforscht ist.

 

Es soll sich um eine virale Erkrankung handeln, die nur Meerschweinchen betrifft und wobei die Tiere von den Füßen aufwärts gelähmt werden. Meerschweinchenlähme gilt als hochansteckend und 100% tödlich. Die Tiere haben dabei in der Regel keine Schmerzen, schlafen dann langsam ein, wenn die Lähme Lunge und Herz erreicht.

Was also nun tun für unsere Feli? Tierärzte schläfern in so einem Fall schon mal ganze Meerschweinchenherden ein und können den Tieren nicht helfen, also hatten wir entschieden, dass ein Tierarztbesuch keine Option ist. Ich hatte meiner Freundin zwar naturheilkundliche Mittel nennen können, die sie auch gleich verabreichte, wusste aber sonst nicht weiter. Wie hilflos ich mich fühlte, muss ich wohl keinem Tierhalter beschreiben, der schon mal von seinen Tieren getrennt war

 

Da meine Tierheilpraktikerin nicht zu erreichen war, schlug meine Freundin vor, eine Freundin von ihr zu kontaktieren, eine gute Tierheilpraktikerin namens Karin Harst.

 

Da ich auch viel mit Pferden zu tun habe und aktiv im Facebook unterwegs bin, war mir der Name natürlich ein Begriff und ich war selbstverständlich einverstanden.

 

Karin war so lieb und half sofort. Sie erkundigte sich bei der kleinen Felina nach ihrem Befinden und gab meiner Freundin passende homöopathische Mittel durch. Was wir im Nachhinein für unglaublich wichtig hielten, war für uns die Information, dass Feli sehr kalt war, denn wir konnten ihr dann eine Wärmeflasche anbieten. Zudem hatte ich meiner Freundin vorgeschlagen, Feli Heilerde in Wasser aufgelöst zu geben, aber Karin sagte, dass die Lähme ja auch die Nierengegend betrifft und dass dann nicht gut bzw. sogar schlecht sein kann. Zudem berichtete sie, dass Feli Schluckbeschwerden hat, weshalb wir die Heilerde dann nicht gaben und ich bin sehr dankbar für die Information gewesen.

 

Felinas Lähme ging in den nächsten Stunden so schnell zurück, wie sie gekommen war und am nächsten Tag war sie wieder die quirlige kleine Schweinchendame, die wir kannten, wenngleich noch etwas erschöpft.

Amy und Marzipan

Doch Amy gefiel meiner Freundin auch schon nicht und vor allem an dem Freitag nicht, an dem wir nach Hause kamen. Samstag holten wir die Tiere ab und da zeigte Amy einen schwankenden, kraftlosen Gang und war zudem sehr abgemagert.

 

Wir bemerkten, dass ihre Zähne trotz guter (nagezahn-gerechter ;) ) Ernährung das Problem zu sein schienen und nach dem Päppeln mit Päppelbrei, den sie gerne nahm, ging es ihr schon etwas besser. Am Montag waren wir bei unseren Tierärzten in Holzwickede, die Nager-Zahnspezialisten sind. Amy hatte einen Backenzahn, der ihr nach außen in die Wange wuchs und zudem bildeten ihre Backenzähne eine Brücke, die die Zunge nicht mehr durchließ (leider nicht selten bei Meerschweinchen).

 

Sie wurde in Gasnarkose operiert, alles verlief gut. Die anderen Tiere wurden auch durchgecheckt (über die Lähme traute ich mich erst gar nichts zu sagen…), vor allem Felina, weil sie auch ab und an das Maul beim Kauen weit öffnete. Bei ihr wurden dann bei der Untersuchung Aften, schmerzhafte Einbuchtungen im Zahnfleisch, gefunden und bei Cüli zudem Pocken. Die Tierärztin erklärte mir, dass sie im Laufe der Jahre beobachten konnte, dass das Virus, was auch die Meerschweinchenlähme auslösen soll, im Anfangsstadium Pocken im Maul und anschließend Aften hervorruft. Das deckte sich mit den Symptomen, die Felina zeigte. Amys Maul schien sonst soweit ok.

 

Amy ging es mit den Zähnen am Tag später deutlich besser, am folgenden Mittwoch jedoch verweigerte sie den immer noch angebotenen Päppelbrei und Donnerstagabend bekam sie einen schwankenden Gang. Meine Freundin setzte sich sofort wieder mit Karin in Kontakt und ich gab empfohlene homöop. Mittel und zudem erfuhren wir, dass Amy sich fiebrig fühlte. Amy wollte permanent, auch nachts, auf unsere Wiese. Die Tiere können frei bei uns in der Wohnung laufen und im Sommer selbst durch die Terrassentür auf die Wiese und Amy versuchte, die Terrassentür mit dem Näschen zu öffnen. Draußen war es frisch und wir lagen dann mit Decken und aber auch Wärmeflaschen mit ihr nachts auf der Wiese. Vermutlich war die Kühle für sie angenehm, weil sie fiebrig war.

 

Nachts begann dann auch bei ihr die Lähme und am Morgen überlegten wir, zu unserer Tierärztin zu fahren, falls sich was im Maul noch entzündet haben könnte, da sie ebenfalls komische Kaubewegungen zeigte. Als wir noch überlegten, ob Amy den Weg von 50 Minuten zum Tierarzt noch verkraftet, bekam sie sowas wie epileptische Anfälle. Diese wurden von Mal zu Mal immer schlimmer, so dass ich das kleine Tierchen kaum noch festhalten konnte und ich war ständig mit meiner Freundin und auch Karin in telefonischem Kontakt. Karin führte für Amy noch eine Bioresonanzanalyse durch, die u.a. Herpesviren angaben. Amy jedoch verlor mehr und mehr das Bewusstsein, ihre Reflexe verringerten sich und wir entschieden, sie bei dem nächstgelegenen Tierarzt einschläfern zu lassen. Dort angekommen war ihre Herzfrequenz bereits erniedrigt und obwohl sie auf einer Wärmeflasche lag, war sie unterkühlt.

In den nächsten Tagen recherchierte ich und fand heraus, dass Herpesviren u.U. in das Gehirn eindringen und zu Gehirnschäden sowie epileptischen Anfällen führen können.

 

Auch Aften und Pocken können durch Herpesviren ausgelöst werden, scheinbar also auch die Meerschweinchenlähme. Da das Virus wirtspezifisch ist, können nur Meerschweinchen befallen werden. Wir wussten leider nicht, wie unsere Tiere sich das eingefangen hatten, denn sie hatten seit Jahren keinen Kontakt zu anderen Tieren.

 

Lediglich Felina, aber in der Notstation lebten zu dem Zeitpunkt über 30 Tiere und alle waren kerngesund. Kein Tier, auch nicht frühere Herdenmitglieder von Felina zeigten irgendwelche Symptome. Das Virus können Meerschweinchen aber tragen, da es ggf. persistieren kann und es kommt erst irgendwann zum Ausbruch, wenn die Tiere geschwächt sind oder Stress haben.

 

Amy habe ich nicht sezieren lassen, weil mit mehrere Tierärzte und Tierpathologen, mit denen ich telefonierte, sagten, dass schon sehr viele der an Meerschweinchenlähme gestorbenen Tiere obduziert worden wären, aber man keinen eindeutigen Erreger hätte bestimmen können. Zudem hätte ich an die 200 Euro bei dem Tiepathologen in der Nähe ausgeben müssen und erst abends erfuhr ich von einer weiter entfernten Adresse, wo Tiere für 20 Euro obduziert werden können, die jedoch nur werktags geöffnet hat.

Also desinfizierten wir alles und Amy erhielt ein schönes Grab neben dem von ihrer geliebten Marzipan bei uns auf der Wiese. Möglicherweise trug sie das Virus schon länger, hatte zu Beginn vielleicht auch Aften und Pocken im Maul, weshalb sie nicht richtig gefuttert hat und die Zähne so lang werden konnten. Der „Urlaubsstress“, die Zahn-OP und Wunden in ihrem Maul waren dann zuviel für sie.

Maracuja (Cüli) und Seppo

Die anderen Meerschweinchen wurden zudem in den nächsten Wochen zusammen mit meiner THP und der Hilfe von Karin aufgebaut und als wir 4 Wochen später bei der Tierärztin eine Nachkontrolle hatten, war Felinas Maul verheilt und Cülis Maul leider noch nicht ganz, aber sie ist eben auch schon sehr alt.

 

Karin führte für Cüli (ein vom Virus betroffenes Tier) und Seppo (ein scheinbar nicht infiziertes Tier) eine Fellanalyse durch, wobei bei Cüli u.a. ebenfalls Herpesviren gefunden wurden, bei Seppo jedoch nicht. Dies bestätigt die Vermutung, dass Herpesviren der Auslöser des ganzen Dramas waren/sind. Karin erstellte dann für die Meerschweinchen Frequenztropfen, die ihnen helfen konnten, die Erreger auszuleiten.

Zudem bat ich sie, sich mal mit unserem Seppo zu unterhalten, der schon immer einen komischen Gang hatte und sich auch nicht gern bewegte.

 

Ich wusste, dass Kinder ihn ggf. als Fußball benutzt hatten und Karin bestätigte, dass Seppo Probleme mit der Wirbelsäule und den Bandscheiben hat und zudem berichtete er ihr u.a. von Kindern im Alter von 4-6 Jahren, von Tritten in den Hintern und Gegenständen, die an den Käfig geworfen wurden. Das erklärt auch, warum er so traumatisiert war, als er zu uns kam.

 

Seppo zeigte sich Karin als Humphrey Bogart im Trenchcoat, worüber wir sehr schmunzeln mussten. Unser werter Schweinemann zeigt sich täglich als liebevoller Charmeur, „Weiberheld“ und teilweise als kleiner Macho, was auch in einer früheren TK schon bestätigt wurde.

 

Die Tierärztin konnte bestätigen, dass Seppos Wirbelsäule arg verkrümmt ist (wie aufgestaucht…) und er sicher dadurch Probleme beim Bewegen hat. Zudem hat er schon immer u.a. matschige Böhnchen (das sind Köttel in Merschweinchen-Slang ;) ) gehabt und Karin sagte mir, dass vom Magen ausgehende Nervenbahnen an der Wirbelsäule aufgehängt sind, weshalb es zu diesen Verdauungsproblemen kommen könne.

Seppo

Karin gab mir für Seppo den Tipp, ein bestimmtes homöop. Mittel auszuprobieren, was ihm wirklich sehr half. Seine Böhnchen sind nun perfekt und er läuft viel lieber und häufiger, wirkt „leichter“ und ist glücklicher.


Auch für die Hilfe in Bezug auf die Wehwehchen und Problemzonen der anderen Schweinchen bin ich sehr dankbar, vor allem in der Krisensituation diesen Sommer, als ich wirklich verzweifelt war.

 

Karin war für uns da, als wir sie brauchten und das, obwohl wir uns ja gar nicht kannten und Karin selbst viel um die Ohren hatte. Wenn die Welt ein paar mehr Karins hätte, wäre sie ein viel besserer Ort 


Vielen Dank für deine Hilfe, liebe Karin!! Felina, Cüli, Pari und Seppo sind momentan soweit gesund und wir hoffen, dass wir das Virus in die Flucht schlagen konnten 


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