Silver

Im August 2011 erfüllte ich mir meinen größten Wunsch und kaufte mein erstes eigenes Pferd. Jeder hat ein Wunschpferd und man sagt, man kauft immer das Gegenteil. Ich hab genau das gekauft, was ich eigentlich immer haben wollte… ich war nicht ansatzweise vorbereitet für diese Art von Lebensaufgabe.

 

Kaum war er zu Hause gingen die Sorgen los. Silver kannte den Umgang mit dem Menschen nicht wirklich. Er war 3 Jahre alt, roh, dominant, Menschen behandelte er wie Pferde und gesundheitlich machte er mir von Anfang an Sorgen. Zu diesem Zeitpunkt belächelte ich Tierkommunikation noch. Humbuk ;)

Nach 2 Wochen flogen wir aus dem ersten Stall wieder raus, weil er ältere Menschen auf der Koppel jagte und die Ponies nur durch die Gegend schob, da er sofort Herdenchef war und damit sowohl überfordert wie gelangweilt war. Zudem klaute er Werkzeug, wenn am Offenstall gebaut wurde und gab es nicht wieder her. 

 

Also zogen wir von einem Tag auf den anderen in einen anderen Offenstall zu der Mutter meiner Trainerin, wo er nur mit einer Ponystute stand. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon mittelschwer verzweifelt. Der Ponyboy war anders und nicht gerade einfach. Er deckte die Ponystute, machte alles kaputt was nicht Niet und nagelfest war - zerschmetterte sogar ein komplettes massives Holztor. Er wurde immer dünner, ihm krochen plötzlich Würmer aus der Haut. Auf die Weide konnte er nicht, da er durch jeden Zaun flüchtete und beim ersten Versuch ihn auf die Weide zu stellen, bekam ich einen heftigen Tritt in die Niere.

 

Ich hatte zwei Wochen zum Nachdenken, wie es nun weitergehen sollte, in denen ich krankgeschrieben und unbeweglich zu Hause saß. Ich war immer noch skeptisch aber ich brauchte Hilfe und einen neuen Stall, wo wir dauerhaft bleiben konnten. Mein Wunschstall war ja leider voll. Also schrieb ich Karin, die schon vielen Leuten in meinem Umkreis geholfen hatte... Hilferuf einer frischgebackenen Ponybesitzerin!
Wenn man verzweifelt ist, greift man nach jedem Strohhalm. Heute bin ich sehr froh, dass ich das getan habe.

 

Karin war sofort zur Stelle und half einen neuen Stall zu finden. Die Ergebnisse waren nicht das, was ich erhofft hatte. Er weiß sehr genau was er will und bei den meisten Ställen kam ein deutliches NEIN mit Ausrufezeichen! Am Anfang schimpfte ich ihn Luxuspony und bekam dafür von Karin den ersten Rüffel. Ein paar Emails später stimmte sie mir zu. Er wollte einen Luxusstall mit Solarium und mehreren Reithallen, aber bitte in die Box. Offenstall ist nichts für ihn. Uff... Am Liebsten wollte er in meinen Wunschstall, aber das ging nicht. Letztendlich haben wir tatsächlich einen Stall gefunden, in dem ich sicher gehen konnte, dass er die Zäune ganz lassen würde. Karin gab mir noch mit auf den Weg, dass er mich wohl jeden Tag aufs Neue testen würde. So ist er halt... Und das tut er tatsächlich heute noch. Wer hat den größeren Dickkopf heißt unser Lieblingsspiel.


Vor dem Umzug bekam das Pony Bachblüten, um die Veränderung für ihn leichter zu machen.

Wir zogen zum Dezember um und das Pony gliederte sich völlig friedlich in seine neue Wallachtruppe ein und hat keinen einzigen Zaun zerstört in dem Jahr dort. Ich war vollends überzeugt.

 

Gesundheitlich wurde es allerdings nur schlimmer, sodass ich mich entschloss eine große TK zu machen. Das Pony war dünn, kaum händelbar, völlig hyperaktiv und ständig sprangen alle Wirbel wild durcheinander. Er tobte tagsüber bis weit über seine Erschöpfungsgrenzen und schlief nachts schnarchend in seiner Box und bekam nichts mehr mit. 

Ich hatte jede Woche eine Physiotherapeutin am Pferd und bald ließ er sich von Fremden schon kaum noch anfassen. 

 

Zuerst stand der Test beim Tierarzt aus.
Die Ergebnisse waren nicht schön, aber selten… Das Pony hat ADHS. Das erklärte, warum er so völlig hyperaktiv und anstrengend war. Wir verbannten jeglichen Zucker aus dem Pferdefutter und erreichten eine riesige Verbesserung.
Er war aber - Gott sei Dank - kein Klopphengst. Trotz früher Kastration ist er einfach ein Macho geblieben.

 

Zudem wechselten wir die Physiotherapeutin. 

In unseren Stall zog Beate Jüngling – Physiotherapeutin und Osteopathin, die meine große Rettung war. Sie war ruhig, hatte eine sehr sanfte Art zu behandeln und machte zusätzlich noch Akupunktur. Mein Pony ließ sich wieder behandeln. Aber es wurde zuerst nur mäßig besser. Nach einem anfänglichen Hoch, folgte sofort das nächste Tief.

Im Winter brauchte mein Pony die Decke nur angucken und verlor schon sein Fell. Ohne dass es scheuerte, fiel schon bei leichtester Bewegung das Haar aus. 

Von einem Anfangs streberhaften Pony bei der Bodenarbeit und auch beim Reiten, wandelte er sich zum Meister im Boykott. 

 

Nun war Karin angesagt.
Zuerst machten wir eine Haaranalyse. Das Ergebnis war unschön. Die größten Probleme waren der Säure-Basen-Haushalt und der Darm zusammenhängend mit einem schlechten Immunsystem. 

Dann stand die große TK an.
Ich überlegte lange, welche Fragen ich meinem Pferd stellen wollte. 


4 Tage vor Karins Gespräch mit Silver wurde er noch mal komplett eingerenkt, da er von vorne bis hinten schon wieder blockiert war. 

Das Gespräch war für mich sehr ernüchternd. Wer nicht bereit ist, an sich zu arbeiten, sollte sich weder ein Pferd anschaffen, noch Karin zu Rate ziehen. 


Manche Dinge über sich selbst, hört man nicht gerne.
Mein Pferd ist mein Spiegel. Das wusste ich bereits. Unsere Physio sagte mir zuvor schon einmal, dass sie diese Art der Verbundenheit zwischen Mensch und Tier sonst nur von Hunden oder Katzen kennt, die täglich um einen herum sind, das bei Pferden aber noch nicht erlebt hat.


Vor dem Gespräch mit Karin war mir aber nicht bewusst, wie extrem er mich spiegelt. 


Nicht nur meine Ungeduld und meine impulsive Art, sondern jedes körperliche Wehwehchen. Er hatte dieselben Plattfüße und nahm mir jede Blockade ab, um es mir zu erleichtern. 4 Tage nach der Behandlung war er schon wieder komplett verkantet. Die Liste mit Blockaden nahm kein Ende.
Doch als erstes schickte Karin mich zur Physio. 

Wir bekamen Bachblüten, ich hatte einen tollen Heilpraktiker, der mit mir Bioresonanz machte und Karin verabreichte dem Pony Frequenztropfen. 

Ich schickte erneut Haare vom Pony zu Karin und wir stimmten das Futter neu ab. 


Es ging ihm in der Kombination alsbald besser und unsere Physio konnte, wenn sie am Stall war, mittlerweile selbstständig Akupunktur machen, was ihm auch sehr half ruhiger zu werden. 

Was mich anging… Ich stand vor einer großen Aufgabe. Wie werde ICH ruhiger, geduldiger, entspannter und gesünder?
Eine Aufgabe, die sich in diesem Stall nicht lösen ließ. Ich fühlte mich dort einfach nicht wohl. Meine Freunde, meine Trainer, alles war in meinem Wunschstall und als Tina ankündigte sich zu vergrößern, war klar – wir gehen mit! Koste es, was es wolle…

Über ein Jahr nach dem Einzug im jetzigen Stall, zogen wir also um, schon bevor die Vergrößerung anstand. Aber wir mussten weg. Und so ging es erstmal mit Ponys bestem Freund zusammen in einen provisorischen Offenstall – Notunterkunft. Aber egal wie, wir waren zu Hause. 

 

3 Wochen später besuchte uns unsere Physio und war baff. In 3 Wochen hatte sich das Pony sehr gewandelt. Muskulatur aufgebaut vom nichts tun, wir waren beide ruhiger und zufrieden. Karin begleitete ihn weiterhin mit Frequenztropfen und Bachblüten, verordnete uns nochmals Basenpulver und Gladiator Plus. 

Patrizia besuchte uns im Stall und lehrte das Pony und mich uns gegenseitig zu fühlen. Ich bin vorher schon mit Reiki und anderen nicht erklärbaren Dingen in Berührung gekommen. Aber in sein eigenes Pferd reinzufühlen, war etwas Besonderes. Ich hatte einen Riesen Kloß im Hals und spürte auch das Kuddelmuddel in meinem Pferd. Pat lehrte mich diesen ‚Ball‘ an unguten Gefühlen aus dem Pony auszuleiten. Danke Pat für diese unglaubliche Erfahrung!

 

Aber da waren immer noch die Probleme beim Arbeiten. 

Auf meine Frage über Karin, warum er nicht mehr an der Longe lief, obwohl er vorher so schöne Fortschritte beim LK gemacht hatte, kam ‚Longieren ist DOOF!’. 

Eine Erklärung gab es auch und ich wusste wieder, ‚Ja, das ist mein Pferd.’
Er versteht es alles sofort, aber es gelingt ihm körperlich (noch) nicht, also schmeißt er es einfach gleich hin. Kannte ich nur zu gut von mir selbst. Manchmal muss man eben üben, um ans Ziel zu kommen. 

Und Reiten in gesittetem Tempo? Womöglich noch auf dem Platz? Nö! 

In seinem Kopf war nur Gelände und schneeeeell! Auf Ausritten war er nicht zu bremsen und bockte nicht gerade wenig. Beschwerte sich aber, dass ich auf Ausritten ihn mit Bildern im Kopf verunsicherte, wie ich am Baum klebte.
Karin versuchte ihm ins Gewissen zu reden, dass diese Bilder nicht von ungefähr kamen. Ich bin wirklich angstfrei, aber die Gefahr erkenne ich trotzdem. 

Platzarbeit fand er generell doof! Er besitzt – auch immer noch – eine große Kiste mit Schildern auf denen wahlweise ‚ich bin dagegen’ oder ‚ich bin immer noch dagegen’ steht. Und er hat auch immer Plan A-F in der Tasche, um nicht arbeiten müssen.

Karin erklärte mir, dass er für Leckerlies fast alles tun würde, aber dann nur auf Leckerlies fixiert war und seine Aufmerksamkeit für andere Dinge nicht mehr vorhanden war. Wir mussten also systematisch den Umgang mit Leckerlies lernen und ganz klare Grenzen setzen. Für ihn sollte es nur noch schwarz und weiss geben. 

Wir begannen also vorsichtig zu clickern. 

Nach dem Umzug des gesamten Hofes auf das neue, größere Gelände, schickte ich Karin erneut Haare zur Haaranalyse.
Dem Pony ging es deutlich besser. Er war fitter, zufrieden, wieder in der Box, Chef einer Weibertruppe, aber die Wirbel sprangen immer noch umher. Er ist eines von den seltenen, sehr hypermobilen Pferde-Exemplaren, aber dennoch wollte ich doch mal dazu kommen, vernünftig Muskulatur aufzubauen. Mittlerweile war er 5 geworden. 

Karin stellte eine Bindegewebsschwäche fest und er wurde noch einmal entsäuert und bekam Schüsslersalze. Beate kam regelmäßig zum behandeln, aber auch dort wurden die Abstände immer größer zwischen den Behandlungen. 

Wir fanden einen neuen Hufbearbeiter, der die Plattfüße in den Griff bekam.

 

Heute ist er 6 Jahre und es geht ihm besser denn je. 

Das Fell glänzt, er ist schön in die Breite gegangen. Wenn man die Baustellen kennt, kann man an ihnen arbeiten. Karin hat mir unsere Problemzonen auf dem Silbertablett serviert und wir haben daran gearbeitet.
Es war ein langer Weg bis hierher und wir sind noch lange nicht am Ende des Weges angekommen. 

Aber wenn man sich gegenseitig versteht, ist man dem Ziel schon ein ganzes Stück näher. Dank Karin weiß ich welches Futter zu meinem Pferd passt und dass er eine Bindegewebsschwäche hat. Ich war schon vorher ein großer Fan von Bioresonanztherapie und bin sehr froh, dass Karin auch mein Pferd zurechtschwingen konnte. In besonderen Phasen stellt Karin zur Unterstützung die richtige Bachblütenmischung zusammen. 

Und wenn ich nicht weiter weiß, kann mir Karin immer erklären, was mein Pferd sich dabei denkt. 

 

Das ist nicht immer logisch. Und einen Knall hat er wohl einfach – wie ich sicher auch. Aber ich stehe in einem Stall, wo er mit Knall akzeptiert wird. Wo uns keiner rauswirft, wenn mein Pferd ganz aus Versehen mal durch den Zaun fällt oder seine Zähne jeden Morgen magisch von der Jacke angezogen werden. 

 

Ich hätte den Ponymann wohl schon längst verkauft, wenn ich nicht die geballte Hilfe von Karin, einer tollen Physiotherapeutin, Pat, tollen Freunden und einer super Stallgemeinschaft, zwei tollen Trainerinnen, die einem einen pferdegerechten Weg vorgeben und den perfekten Stall für mein Pferdekind hätte. 

Es ist nicht immer leicht und man muss viel an sich selbst arbeiten, aber wir haben unseren Weg gefunden und gehen diesen Weiter. 

Und ich hoffe, dass Karin uns dabei weiterhin begleitet.


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