Benni

Mit 29 Jahren ging es mir auf einmal körperlich wie seelisch sehr schlecht, die jahrelange Doppelbelastung durch zwei Jobs hatte mich an meine Grenzen gebracht. Ich bekam die Diagnose „Burnout“ mit dem Hinweis, das mir medizinisch nicht zu helfen wäre, also dachte ich über meine Leben und meine Wünsche nach und kaufte mir mein erstes eigenes Pferd.

 

Leider wurde aus diesem Herzenswunsch eine Katastrophe denn ich bekam eben nicht das anfängertaugliche Pferd was ich eigentlich gesucht hatte. Aber das ist eine ganz andere Geschichte die mich viel Tränen und auch Vertrauen gekostet hat.

 

Eigentlich hatte ich nach der ganzen Sache das Thema Pferd schon wieder an den Nagel gehängt, als ich auf eine Anzeige im Internet gestoßen bin: „Ruhiger, netter Freizeitkumpel sucht ...“


Als ich das Bild von Benni sah dachte ich nur das er riesige Ohren hat und einen Rotschimmel wollte ich ja schon mal gar nicht.

Die Anzeige öffnete ich dann noch ca. 20 mal an diesem Tag ;o)

 

3 Tage später schaute ich mir Benni an, der stand in seiner Box fraß sein Heu und legte die Ohren an als wir die Box betraten. Aber sein Blick hatte mich wie auch schon auf dem Foto gefangen. Ich kaufte ihn sofort und 2 Tage später stand er in meinem alten Stall.

 

Die Zusammenarbeit mit Benni und mir gestaltete sich schwierig, ich hatte als Anfänger ein angerittenes Pferd gekauft und hatte durch die vorherigen Erlebnisse sehr viel Angst aufgebaut. Trotzdem ergänzten wir uns wirklich gut, wo ich Angst hatte war Benni ruhig und meisterte gelassen die Situation und wenn er Angst hatte z. B. die dunkle Reithalle zu betreten konnte ich ihm genügend Sicherheit vermitteln das er sich traute die Schritte an meiner Seite zu gehen.

 

Auf Empfehlung kam dann eine Reitlehrerin zu uns die mir Unterricht auf Benni gab und Benni auch in meiner Anwesenheit beritt. Bei diesem „Beritt“ passierten immer Dinge die mir nicht wirklich gefallen haben, aber meine Bedenken wurden von „Erfahrenen“ immer wieder unter den Tisch gekehrt. Trotzdem fühlte ich mich so gar nicht gut dabei, denn Bennis Augen sprachen eigentlich Bände. Leider hab ich es viel zu lange zugelassen und hätte schon viel früher auf ihn und meinen Bauch hören sollen. Zu der Zeit fand ich dann auch das Forum Wege zum Pferd und beschrieb dort die Situation, dort bekam ich zum ersten Mal die Unterstützung das Ganze abzubrechen. Mittlerweile war es leider auch schon so weit das Benni beim satteln nach mir schnappte und das Gebiss nicht mehr nehmen wollte. Ich hab dann der Reitlehrerin abgesagt und musste mir noch ihren Spott anhören, als ich ihr begründete warum sie nicht länger kommen sollte.

Doch durch das Forum kam ich dann auch zum Longenkurs, den ich sofort kaufte und auch danach arbeitete.

 

Ich bin dann aus Mangel an einem Reitlehrer gar nicht mehr geritten und hab einfach viel Bodenarbeit gemacht und wir gingen viel spazieren.

 

Im November 2009 wurde in Kaufungen ein Longenkurs mit Babetten Teschen angeboten an dem ich als Zuschauer teilnahm. Dort lernte ich dann auch Sandra kennen durch die ich ein paar Monate später zu ihr in den Stall wechseln konnte und die mir eine gute Freundin wurde.

 

Dieser Stallwechsel hat Benni sehr gut getan, er verstand sich sofort mit Sandras jungen Hengst und entwickelte zum ersten mal etwas wie Selbstbewusstsein in der Herde. Wo er sonst nur Abseits stand, gehörte er jetzt dazu und gliederte sich mit ein. Durch Sandras Unterstützung fiel mir auch vieles leichter, so dass auch der Umgang mit Benni unbeschwerter wurde.

 

Dann erfuhr ich durch das Forum von Karin und da ich immer das Gefühl hatte das Benni zwar alles ausführt was ich von ihm möchte aber gar keinen Spaß an der Arbeit hat, entschloss ich mich dazu das Karin mit Benni sprechen sollte. Als der Termin zum telefonieren kam schlug mir das Herz bis zum Hals und ich war furchtbar aufgeregt. Als das Telefon klingelte und Karins fröhliche Stimme zu hören war wurde es aber schon besser und wir telefonierten fast 2 Stunden lang.

 

Benni hatte Karin viel erzählt und sich auch etwas gewünscht, er kommt aus Rumänien und sein Körper zeigt, dass er dort nicht viel Gutes erlebt hat. Ich hab darauf immer Rücksicht genommen, aber mein Pferd wünscht sich von mir das ich die Vergangenheit ruhen lassen soll. Außerdem soll ich Selbstbewusster werden da er gern die Verantwortung abgeben wollte. Nachdem ich aufgelegt hatte liefen mir erstmal die Tränen und ich musste das Ganze erstmal verarbeiten.

 

Ich könnte jetzt ewig von unserem Werdegang weiter erzählen aber ich glaube das würde ein halbes Buch füllen, deshalb versuche ich mich auf das Wesentliche in Kurzform zu beschränken:



Nach Karins Gespräch kam Pat zweimal zu uns um Bennis gestörte Meridiane wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Sie sagte ihm bei ihrem ersten Besuch auch, dass er bleiben dürfte, denn er hatte wohl Angst, dass ich ihn wieder weggeben würde.

 

Wir haben mit Nora Klaas eine super Reitlehrerin und Freundin gefunden die uns sowohl in der Bodenarbeit so viel weiter gebracht hat, mir die Angst im Sattel nehmen konnte und uns auch weiterhin unterstützt.

 

Sie hat mir in einer unserer letzten Stunden gesagt: „Als ich Euch kennen gelernt habe, habt ihr beide so vor Euch hin gewurschtelt aber keiner hat den anderen so wirklich verstanden, jetzt ist aus Euch ein Team geworden.“

 

Karin hilft uns immer wieder bei kleineren und größeren Baustellen, ob es mit einer Haaranalyse ist die einen Bandwurmbefall anzeigt oder eine Futtermittelunverträglichkeit ans Licht führt. Mal gibt’s Bachblüten für Pferd und Besitzer oder Frequenztropfen für Benni um alles wieder ins Reine zu bringen. Egal was es ist, mit ihrer herzlichen Art hilft sie immer und sei es nur den persönlichen Tiefpunkt zu erkennen, weil es gerade mal wieder am Besitzer und nicht am Pferd liegt.

 

Nach nun 4 Jahren ist aus dem immer abseits stehenden Pferd, das sehr in sich gekehrt war, ein vollwertiges Mitglied der Herde geworden, er hat Freunde gefunden und Lebensfreude entwickelt. Manchmal blitzt er mich aus seinen ruhigen, braunen Augen an und ich seh genau das er sich gerade überlegt was er anstellen kann. Für mich gibt es nichts Schöneres zu sehen wie dieses Pferd, MEIN Pferd das mit seinen Freunden über die Wiese tobt. Wenn ich im Sattel sitze und gegen meine Angst kämpfe ist er mir immer ein verlässlicher Partner, ich kann fühlen, dass er auf mich aufpasst und immer bei mir ist. Dafür bin ich am Boden der Partner geworden auf den er sich verlassen kann und ich arbeite weiter an mir damit ich ihm die gleiche Sicherheit irgendwann auch aus dem Sattel geben kann. Benni ist mein Ruhepol und mein Anker wenn mir mal wieder alles über den Kopf zu wachsen scheint. Damals hat der Anfängerin und dem jungen angeritten Pferd kaum einer eine Chance gegeben und heute sind wir miteinander und aneinander gewachsen.

 

Wir sind noch lange nicht am Ziel unserer Reise, aber aus einem steinigen Weg ist mit den richtigen Gefährten ein gemeinsamer Weg geworden und dafür bin ich allen Beteiligten unendlich dankbar.

Vor allem Dir Karin, Du bist immer da wenn ich Zweifel hege oder mal wieder Unsicherheit im Bauch habe. Du beantwortest immer wieder mit viel Geduld alle meine Fragen, zeigst Lösungswege auf und gibst mir immer mal wieder den kleinen oder großen Schubser in die richtige Richtung. Ich bin sehr froh, dass wir Dich gefunden haben und das Du uns auf unserem weiteren Weg begleitest.




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