Lucky

An meinem 16. Geburtstag war es so weit, Lucky gehörte mir!

 

Ich kannte ihn schon mehrere Jahre und war lange seine Reitbeteiligung gewesen.

 

Mit der Zeit hatte ich den frechen, aber charmanten Kerl ganz schön ins Herz geschlossen. Ein eigenes Pferd stand für mich nie zur Debatte – ich war ja vernünftig, noch viel zu jung, ritt zu schlecht usw.

 

Doch als Lucky plötzlich verkauft werden sollte, wurde mir immer mehr klar, dass ich nicht wollte, dass ihn jemand anders bekommt, womöglich gar Kinder (er hasst sie…) und wer sonst würde so ein kleines Pony kaufen? Nach langen Diskussionen mit meinen Eltern gehörte er nun also mir.



Doch es sollte sich herausstellen, dass es gar nicht so einfach war wie gedacht, unsere Probleme zu lösen. Dass der Sattel nicht passte war mir bewusst, ich ließ mehrfach eine Osteopathin kommen und machte viel Bodenarbeit, geritten bin ich nur noch ohne Sattel. Schließlich ließ ich eine Sattlerin kommen, die mir einen, wie ich damals glaubte, passenden neuen Sattel verkaufte.

 

Und so begannen wir wieder zu reiten. Die hinzugezogene Reitlehrerin erwies sich als Fehlgriff, Lucky und mir machte der Unterricht gleichermaßen wenig Spaß. Mir war bewusst, dass reiterlich und muskeltechnisch bei Lucky einiges schief lief, doch ich wusste mir einfach nicht anders zu helfen. Nach Alternativen suchend klickte ich mich durchs Internet und stieß schließlich auf den Longenkurs von Babette Teschen.

 

Beim Lesen desselben wurden mir immer mehr Fehler bewusst, die ich gemacht habe. Wenn ich heute daran denke, wie ich Lucky mit Ausbindern longiert habe, die Longe noch durch den Longiergurt verschnallt ins Gebiss, weil ich sonst überhaupt nicht durchkommt, schäme ich mich dafür.

 

Ich begann nun also langsam umzudenken, doch schon bei den ersten Führübungen wurde es schwierig mit Lucky, er machte nur Quatsch und wollte beißen. Das Longieren auf Abstand klappte am Kappzaum hingegen schon immer besser. In meiner Verzweiflung meldete ich mich mit Lucky zu einem Kurs mit Babette an, wo wir mit unserem neuen Hänger hinfuhren – unser erster Kurs überhaupt. Es war eine Katastrophe. Lucky führte sich noch schlimmer auf als zu Hause und versuchte ernsthaft, Babette und mich zu beißen. Wir konnten nur auf Abstand arbeiten. Auf die Zuschauer wirkte Lucky einfach nur rotzfrech und unerzogen, die waren ganz erstaunt wie fein er beim Longieren dann reagierte und wie brav er war. Babette legte mir dann nahe, mich mit Karin in Verbindung zu setzen. Sie vermutete ein psychisches Problem, da Lucky sich ja auf Abstand problemlos stellen konnte.

 

So kamen wir also zur Tierkommunikation. Ich wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte, wollte diese Möglichkeit aber auf jeden Fall ausprobieren. So hatte ich schnell einige Fragen formuliert und wartete gespannt auf den Anruf von Karin. Was sie mir sagte, ließ meine Welt kurz zusammenbrechen.

 

Lucky war sehr abweisend und skeptisch zu ihr, generell wirke er sehr abgestumpft, mit den Menschen habe er abgeschlossen. Zwar fände er mich ganz ok, wolle aber keine Beziehung mit mir eingehen, weil ich ihn sowieso wieder weitergeben würde, ich war ja schon seine fünfte Besitzerin in seinen damals 11 Jahren. Bei der Frage zu unseren reiterlichen Problemen antwortete er, er möge das Reiten nicht und was ich auf ihm machen würde, sei ihm egal. Für unser Problem beim Führen in Stellung fand ich keine Erklärung, doch mit diesem völlig neuen Bild von Lucky und unserer Beziehung gab es erst einmal wichtigere Dinge, an denen wir arbeiten mussten.

 

Denn das Karin unrecht hatte, war schlichtweg unmöglich, so treffend hatte sie uns beschrieben, auch wenn es schmerzhaft war, sich das einzugestehen.

Wir nahmen beide Bachblüten und ich erklärte Lucky immer wieder, dass ich ihn nie wieder hergeben würde. Es war nicht leicht, etwas zu ändern, aber heute, nach zwei Jahren, kann ich sagen dass wir es geschafft haben.

 

Wir haben noch mehrere Kurse bei Babette gemacht, die uns nicht nur beim Longieren weitergeholfen haben, Babette konnte auch einfach eine positive Stimmung im Umgang vermitteln, an der es bei uns fehlte. Wir kamen auf das Clickertraining und wechselten mehrfach den Stall. Ich bekam immer mehr ein Gefühl dafür, was Lucky gut tut und was nicht und immer häufiger wurde mein Gefühl bestätigt, wenn ich mich mit einer Frage an Karin wandte.



Ich lernte, nicht nur von Lucky Respekt zu fordern, sondern auch ihn und seine Gefühle zu respektieren und ihn so anzunehmen, wie er ist. Nach langer Suche und mit Hilfe von Karin haben wir nun endlich den für uns optimalen Stall gefunden, Lucky fühlt sich dort sehr wohl.

 

Wir sind angekommen und ich habe sehr, sehr viel gelernt. Ich habe meine Erwartungen so weit es geht hinabgeschraubt und bekomme dafür immer mehr geschenkt.

 

Ich habe gelernt, mein Pferd wirklich zu lieben und bekomme das jeden Tag zurück. Sehr oft mache ich Fehler und falle in alte Muster zurück, doch mittlerweile erkenne ich sie und Lucky verzeiht sie.

 

Mein Pferd möchte von mir ab und zu freiwillig angefasst und gestreichelt werden, eine völlig neue Erfahrung für uns beide. Er beginnt nun nach drei Jahren immer mehr, sich zu öffnen.

 

Es liegt noch ein langer Weg vor uns, aber ich gebe Lucky und mir alle Zeit der Welt, denn das Wichtigste ist, dass wir diesen Weg zusammen gehen.

Ich möchte dir für alles danken, was du für uns getan hast, Karin. Dafür, dass du gnadenlos erkennst, wenn etwas falsch läuft. Dafür, dass du immer da bist und mir mit Rat und Tat zur Seite stehst.

 

Ohne dich wären wir heute niemals da, wo wir heute sind. Danke dafür, dass Lucky heute nicht mehr nur das Pony ist, was ich vor einer Karriere als Kinderpony bewahren wollte, sondern MEIN HERZENSPFERD.




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