Mailo mein Lusitano und ich gehen neue Wege

Auf fast 2 Jahre rückblickend möchte ich hier in "Kurzfassung den Werdegang von Mailo festzuhalten.


Gekauft als zurückhaltenden Hengst geb. 02, ohne Papiere im Mai 2008. Habe ihn "normal" reiten lassen von meiner Nichte, welche Bereiterin ist und viel Gefühl und Verstand für Pferde hat.

 

Ich selbst hab ihn auch mitgeritten. Nach 6 Wochen wollte ich ohne longieren aufsteigen und war nach gefühlten 8 Sekunden wieder unten. Ich dachte, seine Angst vor Menschen würde sich im täglichen netten Umgang bald erledigen...

Ich merkte ziemlich bald, dass es sich hier nicht um einen "normal ver-
ängstigten Fall" handelt...


In meinem 25 jährigen Pferdeleben hab ich durch Zucht und Sport viele Pferde hier gehabt. Meist aus schlechten Verhältnissen gekauft, etwas gepäppelt zu recht geritten und wieder verkauft.


Bei Mailo hatte ich das Gefühl, ich fange bei Null an. Wenn man mal so richtig vor einem Abgrund steht, holt man sich alle Hilfe, die sich einem so bietet...
Ich lernte durch "Zufall"(Zufälle gibt es nicht...) viele helfende Hände kennen. Da ich schon was von THP gehört hatte, holte ich mir erst mal dort Hilfe. Es waren hier und da auch klitzekleine Erfolge zu sehen, aber nie von Dauer, es gab immer wieder viele Rückschritte. Irgendwann verzweifelt man...

Irgendwann erzählte mir eine Freundin, sie hätte mit ihrem Pferd "sprechen" lassen...

Ich bin von Haus aus Pessimist und traue keinem recht über den Weg...

Was soll’s sind 60 Euro, wenn’s meinem Kopf nur hilft! Die TK-Aussagen waren solala...


Dachte ich mir doch! Im Hinterkopf hatte ich immer das einjährige Rückgaberecht, was mir die Händlerin zugesagt hatte...

So Anfang März 09 hatte ich in meiner Verzweiflung eine neue TK ausprobiert...

Sie sollte eigentlich für Beso einen neuen Besitzer aussuchen...
Ups, er sagte ihr er wolle auf keinen Fall hier weg, er wäre gesund und möchte gerne geritten werden! Und, da wäre ein Brauner, der will das nicht! Und außerdem wäre er schon länger da! Mist! Was soll denn nun die Nummer? Ich hatte gerade mal schlappe 13 000 Euro durch die Schimmelgeschichte verloren, und nein ich bin nicht die Tochter von Onassis!

 

Natürlich brachte mich diese Aussage zum Heulen! Kurzum, ich schenkte ihn meiner Tochter und Beso war zufrieden! 

Das Jahr war fast vergangen und ich war wütend, traurig, verzweifelt und saß heulend auf Mailo´s Wiese. Ich war ihm bisher nicht wirklich näher gekommen und reiten wurde von ihm geduldet, aber Freude war immer noch nicht in seinen Augen...
Wenn ein Pferd ein Jahr lang bei jeder Berührung zusammenzuckt, fängt man schon an, an sich zu zweifeln...

 

Naja, wie ich so auf der Wiese saß, beschloss ich, entweder er geht zurück, oder er wird kastriert! Dann gibt er vielleicht sein Eigenbrötler Dasein auf!
Mit den Gedanken ging ich nach Haus. So eine Stunde später klingelte das Telefon...
Hallo, Karin hier! Ihr Mailo hat sich bei mir gemeldet... .
Er möchte nicht weg und nicht kastriert werden!
Nun wusste ich gar nichts mehr... .
Aber, er denkt, dass Sie wie alle anderen aufgeben werden!
Von da an war mein Kampfgeist erwacht!
Ich wollte ihm den Glauben an den Menschen wiedergeben!
Komischer Weise gab er mir so 3-4 Tage vor seinem "Rückgabeverfalldatum" Die ersten zarten Anzeichen, dass ich doch kein so schlechter Mensch bin. Das gab mir Mut weiter zu machen!

 

Bei Babette Teschen lernte ich mit ihm Bodenarbeit zu machen und der Lognenkurs brachte uns später auch weiter, als ich näher an ihm dran sein durfte.

 

Dann lernte ich Pat (Patrizia Harneit) kennen! Sie akupunktierte ihn und das Pferd zeigte das erste Mal, dass er abkauen kann!

Prima, den Abend bekam ich dann wieder mal einen Anruf von Karin,

dass ich ihm wehgetan hätte! „Hallo“, das war Pat, und nicht ich!
Aber ich hatte ihn festgehalten und das zugelassen!
Langsam fasst ich zu dieser da noch fremden Frau irgendwie vertrauen...
Ich denke ohne ihre Hilfe bis heute hin, hätte ich vieles als stur und blöd interpretiert...
Da ich bei so einem Pferd keine unnötigen Fehler machen wollte,
holte ich mir immer mal wieder ein Feedback von ihr.

Ich stellte schon ende letzten Jahres meine FN-Reitweise auf klassisch um, das bekam ihm sehr viel besser. Dieses Pferd macht bei Druck dicht und wird nur zäh und triebig. Gut, treiben musste ich ihn aber trotzdem, ich merkte auch, dass er beim Sporeneinsatz nicht reagierte, dachte aber es wird wohl nicht ohne gehen...

 

In unserer letzten Reitstunde war Karin dann auch anwesend. Sie fragte nach der Stunde, ob es denn wirklich sein müsste mit diesen "Dingern"...

 

Sie bekam von Mailo die ganze Zeit, dass er genervt sei und es piksen würde! Also sollte ich ohne noch mal drauf...

Wie der Vorführeffekt es so will ging er auf leisesten Schenkeldruck los!

Diese Geschichte schreibe ich, weil ich irgendwie das leise Gefühl habe endlich nach fast 2 Jahren ein wenig angekommen zu sein...

 

Sicher ist noch nicht alles perfekt, aber dann wär´s ja auch langweilig!
Ich will es nicht verschreien, aber auch das Gefühl, dass er mir
unheimlich ist wenn ich mit ihm was machen möchte, scheint verflogen.

Sollte Karin wieder Recht haben, dass er mir wieder mehr von sich schenken wird, wenn es draußen Frühling wird?


Der Anfang ist auf jeden Fall gemacht!



UPDATE zum Erfahrungsbericht

Nach weiteren 2 Jahren ist ein kleines Update fällig.

 

Natürlich begleitet uns Karin auch weiterhin in diesem nicht ganz einfachen Fall…

Von Beso hat meine Tochter sich leider im November 2010 getrennt. Von da an lebte Mailo erst mal bei mir allein, da er leider kein anderes Pferd bei sich geduldet hätte.

 

Im Mai 2011 wurde ich leider von Mailo wieder ab gebuckelt. Da ich nun sein Ventil war, was normal ein anderes Pferd abgefangen hätte, entschied ich mich, ihn kastrieren zu lassen, um ihm wieder ein pferdegerechtes Leben bieten zu können.

 

Mit Karins Hilfe, wählten wir unter 20 Pferden, die ich ihr per Foto zuschickte, Mailos zukünftigen Freund. Es wurde eine 17 jährige deutsche Reitponystute, die nur zur Zucht eingesetzt wurde. Die Stute litt unter schwerer Dämpfigkeit, und Karin wie auch Pat machten sich erfolgreich an die Behandlung.

In Mailo´s Beziehung zu mir hat sich wenn auch wie immer schleichend weiterhin vieles zum Positiven gewandelt. Er ist mir gegenüber sehr anhänglich geworden, er bietet mir tolle Freiarbeitssequenzen an, und reiten kann man ihn tatsächlich

auch. ;-)

 

Er läuft zwar lieber im Gelände, doch mein Ziel ist, mit ihm auch eine Harmonie in der Dressur zu erreichen. Auch das werden wir schaffen. Von Fremden lässt er sich immer noch nur bedingt anfassen, aber das finde ich legitim.


Da dies doch ein recht ungewöhnliche Weg ist, über die Tierkommunikation eine Ebene mit diesem außergewöhnlichen Pferd zu finden, ist aus unseren Erlebnissen nun ein Buch entstanden.

 

Nähre Info´s dazu gibt es auf meiner Homepage http://lusitano-mailo.ibk.me/index.html


Liebe Grüße von Susi und Mailo


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