Obsy

Observa, genannt Obsy, englisches Vollblut, geb. 26.04.1997, war Galopprennpferd. Was sie, wie wohl alle dieser als Sportgerät missbrauchten, sensiblen Tiere, psychisch völlig überforderte.

Eines Tages auf dem Rennbahngelände riss Obsy sich in Panik los und rannte …. Übersah eine Glasfront und rannte durch …. . Tierschützer brachten sie in die Klinik, wo alle Scherben aus ihr entfernt wurden und wo sie lange Zeit verbrachte.
Als sie transportfähig war, wurde sie zu mir auf den Schutzhof nach Süthen bei Küsten gebracht. Anfangs ließ sie niemand an sich ran, war allen Menschen gegenüber sehr misstrauisch und abweisend. Irgendwann sagte ich zu ihr: „Du Obsy, auch wenn du mich nicht magst, versuch dich doch mal, auf mich einzulassen. Dann wird das Leben für uns beide viel angenehmer. Lass uns mal versuchen, Freunde zu werden.“ Seit dem wuchs Vertrauen zwischen uns. Sie ließ sich überall anfassen, die Hufe schneiden, kam mit spazieren, und schließlich durfte ich sie sogar reiten: aber nur mit Halfter oder Side Pull und ohne Sattel (so reite ich am liebsten) reagierte sie ganz sensibel.


So vermittelte ich sie dann an „erfahrene“ Leute weiter. Anfangs ritten sie Obsy so, wie ich das auch tat, aber mit Sattel. Alles lief gut, aber dann wollten sie plötzlich Dressur-Reiten. Obsy bekam eine Trense ins Maul, die Zügel wurden kurz genommen. Plötzlich fing Obsy beim Reiten an zu steigen, ohne ersichtlichen Grund und überschlug sich. Als sie einmal zum Putzen im Stall angebunden stand, sieg sie auch plötzlich, überschlug sich und blieb kurze Zeit bewusstlos liegen. Tierärzte wurden um Rat gefragt. Diese meinten: vermutlich epileptische Anfälle oder ein Hirntumor, beides nicht heilbar. Weil für sie selbst und die Menschen, die mit ihr zu tun, hatten dies zu gefährlich erschien, meinte man es wäre wohl das Beste, wenn man sie einschläfert.


Ich konnte das nicht glauben und kontaktete Karin Harst mit einigen Fragen. Obsy sagte: Das sie Angst vor metallischen Geräuschen hat, dies würde  sie an das Öffnen der Startboxen auf der Rennbahn (wo sie immer Todesängste hatte) erinnern, dabei bekommt sie extreme Angst, Stress und Panik. Das Obsy dann steigt, wusste sie gar nicht, aber sie hatte sich gewundert, warum sie plötzlich auf dem Boden lag, mal im Wald neben ihrer verletzten Reiterin mal auf der harten Stallgasse.


Ich habe Karin fragen lassen ob Obsy noch leben möchte und wo sie leben möchte, daraufhin antwortete sie Ihr: "Ja, natürlich will sie leben. Auf dem Schutzhof in Süthen war es der einzige Platz, wo sie jemals entspannt, in Ruhe leben konnte. Ja, da will sie wieder hin und für immer dableiben. Karin Harst sagte ihr: „Dann musst du noch einmal ganz tapfer sein und mit dem Hänger dahin fahren. Laufen ist nicht möglich, da es zu weit weg ist.“

 

Obsy stieg sofort in den großen Hänger, in dem zuvor alles Klappernde entfernt wurde, während der Fahrt (Osteee Eutin- Wendland)war sie ganz ruhig. Als wir sie ausluden, guckte sie: alles OK, schön, ich bin wieder zuhause und trabte über die große Wiese zu ihrer Herde. Sie ist hier nie wieder gestiegen, oder hat sich überschlagen. Nachdem ihr Rücken, der unter den Stürzen sehr gelitten hatte, behandelt wurde, ist sie wieder ein völlig gesundes, lebensfrohes Pferd, die ihr Leben angstfrei in ihrer Herde genießt.

Liebe Grüße und Danke
Melanie +Obsy+Band

www.perde-schutz-hof.de 

 

Nachtrag: Obsy genoss ihr Leben noch bis 04.01.2018 glücklich auf dem Pferdeschutzhof in Süthen. Obsy ist auf dem Schutzhof nie wieder unkontrolliert gestiegen oder gefallen und hat ihr leben in der Herde sehr genossen.


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