Meine Geschichte mit Rosette

 

Es war im Frühjahr 2009, als mein Entschluss gereift war, mir den Traum vom eigenen Pferd zu erfüllen. Ich war Anfang 40 und dachte: „besser spät als nie“ und wer suchet, der findet - seinen „Lehrmeister Pferd“, für mich war dies eine 11jährige Welsh-Cob-Stute, die im Sommer 2009 zu mir kam. Ich hatte doch „bloß“ entspannende Ausritte in die Natur mit ihr vor, keine großen weiteren Ambitionen.

 

Mit den besten Absichten wünschte mir eine entspannte Freizeit mit meinem Pferd. Doch alles kam irgendwie ganz anders...

 

Beim Probereiten hatte ich deutlich das Gefühl gehabt, dass sie DAS richtige Pferd für mich sei. Als sie dann zu mir kam, hatte ich - so dachte ich - die bestmöglichen Haltungsbedingungen in unserem Ort für sie gefunden. Es war eine bereits bestehende größere Herde, mit der sie im Sommer zusammen draußen sein und im Winter auch tagsüber Auslauf haben konnte. Doch sie, als dominantes Tier, wollte / konnte sich nicht in diese Herde integrieren. Sie wurde traktiert und als sie dann schließlich einen einzigen Kumpel gefunden hatte, war sie mir gegenüber abweisend. Die Perspektive aus gemeinsame Ausritten mit anderen Reiterinnen hatte sich zerschlagen. Alleine ausreiten ging auch nicht – sie kam ja nicht mal freiwillig mit mir von der Weide... Es nahte der Winter, im Stall hieß es „alle Pferde bekommen hier Hafer“. Ich war natürlich dagegen: Doch nicht meine Ponystute, die sowieso nicht arbeiten musste!!! Also nee, hier mussten wir weg!

 

Im Ort bot sich als Alternative ein Stall mit Reithalle an. Ich informierte mich über den „Longenkurs“ von Babette Teschen, machte dort einen Kurs mit und wollte so auch mit Rosette arbeiten. Aber im Stall herrschte kein hierfür aufgeschlossenes Klima. Zuerst hieß es, so ein Pony könnte man doch leicht integrieren. Dann zeigte sich Rosette aber auch hier den anderen Pferden gegenüber als dominant und nachdem sie sich einmal mit einem anderen Pony angelegt hatte, wurde dies sofort mit dem Getrenntwerden von allen anderen Pferden bestraft. Meine Versuche, mit Dualgassen zu arbeiten, überzeugten Rosette nicht wirklich. Hinzu kam Unverständnis und entsprechende Äußerungen der weiteren Einsteller und der Chefin.

Es war dieser harte Winter, ich war schon froh, wenn ich mit Rosette mal draußen spazieren gehen konnte. Hatte mir einen guten Reiter gesucht, der sie auch relativ regelmäßig in der Halle ritt. Das passte gut, sie vertraute ihm, denn er strahlte die nötige Sicherheit für sie aus. Zu mir verhielt sich Rosette artig. Aber im Umgang mit ihr wurde ich unsicherer, denn sie bekam z.B. plötzliche Panik-Attacken an der Anbinde-Vorrichtung (die sie völlig demolierte)...

Es wurde zunehmend schwierig, denn im Stall hatten reihum alle Einsteller Dienst zu versehen, was das Rein- und Rausbringen und die Fütterung anging. Das gefiel der Stute gar nicht. Mir wurde gesagt, sie würde die Leute fast umrennen hieß es, sie sei unerzogen.

Es kam zu dem Punkt, dass es unumgänglich wurde: Rosette musste schon wieder umziehen. (Und ich hatte sie doch erst ein gutes halbes Jahr!!!). So etwas hatte ich doch wirklich nicht gewollt!

 

Im darauffolgenden Stall knüpfte Rosette zum Glück gleich eine enge Pferdefreundschaft mit einem neben ihr untergebrachten Wallach. Sie schloss sich ihm auch beim Weidegang an. Da ich nicht täglich zum Stall kommen konnte, hatte ich eine Reitbeteiligung (eine Bereiterin), die zuerst auch gut mit Rosette auskam, aber irgendwann kippte die Stimmung und Rosette wollte von ihr nicht mehr geritten werden, denn sie raste unkontrollierbar durch die Halle und wollte steigen.

Ich ritt hier öfter alleine mit ihr ins Gelände, aber eines Tages wollte sie plötzlich mittendrin keinen Schritt mehr weitergehen, es war nichts zu machen. Ich musste absteigen und sie dann weiter führen, um nicht total zu kapitulieren vor ihrem Dickschädel (und etwa gleich wieder zum Stall umzudrehen).

 

Beim täglichen Weidegang, auch hier in einer größeren Herde, war zumindest ein Pferd, das es u.a. auf Rosette abgesehen hatte, die sich ihrerseits wieder nichts gefallen ließ. So war der Weidegang für sie wohl ein Spießrutenlauf. Sie wurde getreten und gebissen, teilte selbst auch kräftig aus. Einige Zeit war wegen ihrer Blessuren ans Reiten überhaupt nicht zu denken. Sie magerte innerhalb kürzester Zeit sehr ab (dabei frisst sie für ihr Leben gern) und sah wie ein geschundenes, teilnahmsloses, altes, Pferd aus.

 

Es war ein Trauerspiel. Und es musste etwas passieren. Was nun? Durch einen Austausch in einem Pferdeforum hatte ich über die Tierkommunikation von Karin H. erfahren, wovon ich vorher noch nie gehört hatte. Aber ich war offen für die Idee, dass ein solcher Hinweis, den man zu einer bestimmten Zeit im Leben erhält, eine wichtige Information sein könne.

Und es gab bei mir wirklich den Punkt, wo man keinen anderen Rat mehr weiß und sich dann – zum Glück – Bereichen öffnet, die einem bis dato verschlossen geblieben waren.

 

Nun kam Karin zum Einsatz, die mir verblüffende Details über ihre Kommunikation mit Rosette berichten konnte.... Karin vermittelte mir ebenfalls Pat, die mit ihrer Elektroakupunktur innerhalb kurzer Zeit wirkliche „Wunder“ an der geschundenen Stute bewirken konnte. Wo hatte es Rosette eigentlich nicht weh getan? ?? Auf meine Frage hin bekam ich die Antwort, dass Rosette bei mir bleiben wolle, aber nicht auf diesem Hof... Oh nein, noch einmal und schon wieder umziehen? Ja, es müsste sein. Sie würde sich eine kleine Herde wünschen, das Gerittenwerden sei nicht so unbedingt ihr Ding, die Bodenarbeit würde sie zwar mitmachen, aber ohne wirkliches Interesse daran. Am liebsten würde sie Fohlen haben und evtl. gefahren werden.

Aha, so war das also...! Davon hatte ich natürlich keine Vorstellung gehabt. Okay, dies war ja nicht so wirklich das, was ich mir so vorgestellt hatte. Zu diesem Zeitpunkt schlich sich natürlich schon der Gedanke ein, ob sie nicht zu einem anderen Menschen besser passen würde... Wenn da aber nicht diese gefühlsmäßige Verbundenheit wäre und die Annahme, dass das Pony doch weiterhin bei mir bleiben wolle...

 

So suchte ich noch einmal eine neue Pferdewohnung nach den Kriterien, die besser zu der Stute passen würden, und in der Nähe musste es ja auch sein. Ich fand einen solchen, passend scheinenden, Platz. In dieser kleinen Herde (6 Tiere) trat meine Stute nun gleich wieder schlimm den alten Wallach zusammen, unter den Augen der Stallbesitzerin. Da war es wieder so weit: Sie musste erneut auf einem Einzelpaddock stehen. DAS hatte sie sich wiederum nicht gewünscht!

Mein Zeitkontingent war schmal. Ich war jeden Tag bei ihr, aber die Zeit reichte oft nur für einen Spaziergang zu einer Waldwiese, denn auf dem Paddock gab es fast null Gras (ein sehr trockener Sommer). Da es hier nun auch so trostlos und für alle Beteiligten unbefriedigend war und meine Familie auch nicht mehr mitspielte (mein Zeitkontingent), kam der Punkt, dass es doch unausweichlich war, dass ich mich von meinem Pony trennen musste.

 

Das war ein großer Schritt. Große Desillusionierung, Traurigkeit, dass der Traum vom eigenen Pferd so schief gelaufen war, die gefühlsmäßige Verbundenheit mit dem Tier, aber das Einsehen, dass es nun wirklich keinen Sinn mehr machte.

 

Hierbei habe ich gelernt, dass ein Pferd wahrscheinlich in den seltensten Fällen von sich aus mitteilen würde, dass es seine/n Besitzer/in verlassen wollen würde. Denn es kann sich nicht vorstellen, was danach käme.

Eine solche Entscheidung kann ein Pferd nicht treffen, das MUSS der Mensch für das Tier tun. Und ich habe ein neues Zuhause für Rosette gesucht. Es war nicht einfach, aber es hat funktioniert! Denn eines war klar: Rosette durfte nicht noch einmal weitergereicht werden. Schließlich hatte sie – bevor sie zu mir kam - bereits einige Menschen, sprich Besitzer, Pferdegesellschaften und -ställe kennengelernt...
Nun musste endlich Ruhe einkehren.

Was soll ich euch sagen: Es hat funktioniert! Eine Familie, die in kleinem Umfang diese Rasse züchtet, hat sich ihrer seit November 2010 angenommen. Hier ist sie nun ENDLICH gut angekommen. Sie liebte den dort lebenden Hengst, der leider im letzten Herbst verstorben ist. Von ihm sind noch zwei Stuten tragend. Und Rosette war es auch, sie hat am 1. April 2012 ein kleines Hengstfohlen zur Welt gebracht und kommt nun ihren mütterlichen Aufgaben nach. Auch hier hatte sie sich anfänglich die

Führungsposition erstritten, doch hier haben die Menschen zum ersten Mal die anfänglichen Auseinandersetzungen „ausgesessen“ und dies die Pferde selbst regeln lassen.

 

Ihren neuen Besitzern hatte ich ehrlich von den vorher aufgetretenen Schwierigkeiten berichtet, und zum Glück haben diese Leute mit viel Pferdeverstand und Erfahrung ihr Zeit, Raum und Ruhe sowie die Sicherheit gegeben, die sie brauchte und braucht.

 

Irgendwie musste ich erst all diese Erfahrungen machen, um zu dem wichtigen Gedanken zu kommen, dass es am wichtigsten ist, die best mögliche Lösung für ALLE BETEILIGTEN zu suchen.

 

Ich bin sehr froh, dass alles doch noch in eine positive Bahn gelenkt werden konnte. Und ich möchte damit ein Beispiel dafür aufzeigen, dass es trotz aller emotionalen Bindung auch der richtige Schritt sein kann, loszulassen. Danke an Karin und Pat, durch die ich so viel lernen und verstehen durfte!

 

Sabine


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