Taranto - Unser Weg ....

Im Frühling 2012 entwickelte sich bei mir die Idee wieder ein eigenes Pferd zu haben. Meine Vollblutaraberstute war mit 26 Jahren zwei Jahre zuvor gestorben - allerdings stand diese immer bei meinen Eltern in Norddeutschland und nicht in Nordhessen an meinem derzeitigen Wohnort.

 

Da ich oft einen P.R.E. Wallach geritten bin, der zwei Orte weiter steht, wollte ich nun unbedingt auch einen so stolzen und schönen Andalusier haben. Die Idee war, dass ich nach meiner Arbeit Entspannung mit meinem Pferd im Wald finden kann.

 

So die Idee…

Schon bei der Besichtigung des ersten P.R.E Wallaches in Heilbronn, wurde diese Idee zum Teil über Bord geworfen… Der schöne Carino hat mich umgehauen. Die Besitzerin war sehr krank und Carino ein überaus schreckhaftes Pferd, dass um sich herum überall Geister vermutete. Allerdings sagte mir mein Inneres, dass es richtig sei, ihn zu kaufen. Nun die Besitzerin entschied sich leider nach kurzem komplett dagegen ihn überhaupt zu verkaufen. Natürlich war ich sehr enttäuscht!

 

Also fing ich an im Internet weiter nach P.R.E.´s zu suchen. Die bezahlbaren Varianten waren eher in Spanien zu finden.



Auf einer Vermittlungsseite für Andalusier entdeckte ich Taranto, einen 6 Jahre alten P.R.E. Wallach, ein Anfängerpferd, Geländesicher, Schmiede- und Verladefromm, zudem in der spanischen Reitkunst gut ausgebildet. Ich war begeistert und setzte mich mit der Vermittlerin in Verbindung.

 

Sie bot an, weitere Videos zu senden – ich sollte nur sagen, was ich noch sehen wollte. Gesagt getan – ich wollte sicher gehen, dass Taranto auch im Umgang brav ist, also wollte ich alltägliche Dinge sehen wie Hufe auskratzen, satteln, trensen etc. Auf den Videos die ich dann bekam war alles TOP. Ein völlig ruhiges Pferd!



Ich kaufte Taranto, ein Pferd, das ich zwar auf vielen Videos gesehen hatte, aber nie selbst erlebt und kennengelernt habe.

Als er unterwegs war von Malaga nach Nordhessen kam schon die erste Bemerkung, Taranto sei doch nicht 6 Jahre sondern 8 Jahre, aber so genau wüsste man das auch nicht. Gut, so wichtig war mir das in diesem Moment nicht! Nach 4 Tagen Fahrt mit Zwischenstationen, kam er im Reitstall an, ich war unglaublich gespannt – die erste Begegnung mit MEINEM Pferd.

 

Der Fahrer des Transporters, ein sehr kräftiger Mann, schaute schon etwas ungläubig, als ich ihm Tarantos neue Box zeigte – eine offene Box, bei der er über die Tür schauen konnte. Er fragte etwas zweifelnd, ob es nicht besser sei ihn hinter Gittern zu stellen. Ich war verwundert, fragte warum? – Nun er sei bei den Zwischenstopps doch recht temperamentvoll und über so eine Tür springt er sicher drüber war die Antwort.

 

Mmmmm… na egal dachte ich, er ist sicher nur etwas verunsichert von der langen Fahrt. Also wurde er abgeladen – mit großen ängstlichen Augen, etwas abgemagert stieg Taranto aus dem Transporter aus. WOW – mein eigenes Pferd – ich war begeistert!

Ich stellte ihn in seine neue Box, gab ihm Heu und Wasser und wollte ihn erst mal ankommen lassen. Das Heu fraß er zwar nicht, dafür aber das Stroh – wie sich später herausstellte kannte er auch gar kein Heu. Nun am Nachmittag holte ich ihn aus der Box und putzte ihn ein wenig – soweit so gut – er war zwar etwas nervös, aber im Ganzen recht brav. So, er sollte sich ja noch etwas die Beine vertreten – daher wollte ich ihm mal die Halle zeigen. Als wir den Stalltrakt verließen, richtete Taranto sich auf wie ein Hengst, machte sich riesig groß und tänzelte über den ganzen Hof. Auch hier dachte ich, naja, es ist alles neu für ihn, ich wurde allerdings schon etwas unsicherer, ob das tatsächlich ein geländesicheres braves Anfängerpferd ist. Als die Tierärztin am nächsten Tag kam, Taranto hatte sich auf dem Transport erkältet, ließ ich zunächst mal prüfen, ob er tatsächlich kastriert war – das wurde allerdings bestätigt J

 

Ein paar Tage später war es so weit, ich rief Nora Klaas an, eine Westerntrainerin und bat sie mich mit Taranto zu unterstützen. Rückblickend war ich schon zu diesem Zeitpunkt ein wenig verzweifelt, hatte begriffen, dass mit den netten Verkaufsvideos irgendetwas nicht stimmen konnte. Taranto war respektlos dem Menschen gegenüber und fuhr bei jedem ungewöhnlichen Geräusch auf 180. Nora zeigte uns ein paar Übungen am Boden, und wir sollten Führtraining machen. Das lief am Anfang ganz gut, allerdings ging immer gar nix mehr, wenn ein anderes Pferd die Halle betrat oder Taranto auch nur die Hufe auf dem Asphalt vor der Halle hörte.



Tja und dann nach keinen 2 Wochen in Deutschland, stürzte Taranto auf der Wiese so unglücklich auf einen Stein, dass er sich eine doppelte Fraktur am Sprunggelenk zuzog. Beim Röntgen kam ebenfalls eine Spatdiagnose heraus. Klasse, dachte ich, nun muss dieses Pferd auch noch ruhig im Stall stehen – Boxenruhe! Nach dem ersten Klinikbesuch sollte er tatsächlich nach 4 Wochen wieder gut laufen können – sagte der Tierarzt!



Das ist nun über 8 Monate her… nun es gab einige Zwischenfälle, durch den Spatbefund wollte ich ihn unbedingt in einen Offenstall stellen…dort angekommen, brach er nach 10 Minuten in voller Panik vor den anderen Pferden aus – ich suchte ihn mit Nora eine ganze Stunde lang, fand ihn neben einer Islandstutenherde zum Glück lebendig wieder. Sein Bein schwoll natürlich komplett dick an und der Tierarzt musste her – nach etlichen Entzündungshemmern ging es besser, allerdings waren die Eisen abgerissen und er konnte auf keinem seiner Beine mehr so richtig laufen, er hatte sich an den Vorderhufen ganz schlimme Prellungen an der Sohle zugezogen… zu allem Unglück wollte uns die Stallbesitzerin auch schnell wieder loswerden – sie wollte so ein Pferd (das keine Zäune respektiert) nicht in ihrem Stall haben.



Wir waren ein „Problem“. Taranto war entweder gar keinen Freilauf gewöhnt oder er hatte in Spanien Mauern als Begrenzung – einen Stromzaun allerdings kannte er definitiv nicht – er betrachtete diesen auch nicht als eine Grenze. Also machte ich mich verzweifelt auf die Suche nach einem neuen Stall. Ich fand ihn zum Glück und konnte sofort einziehen. Ich bat Nora wieder mitzukommen.



Ach ich vergaß zu erwähnen, dass Hängerfahren auch zu den Schlimmsten Dingen für Taranto gehören – nicht das Aufladen, allerdings die Fahrt selbst. In meinem Leben habe ich ein Pferd noch nicht so trampeln gehört. Daher also nach vorherigen Erfahrungen mit Sedierung – die allerdings nur sehr bedingt an diesem Tag wirkte. In dem neuen Stall angekommen konnte Taranto in einen Außenstall - am Tag darauf stand er auf einem Stück Wiese. Da ich nun schon einiges mit Taranto durchgemacht hatte, bat ich wieder Nora, mir zu helfen, Taranto die neue Reithalle zu zeigen – Ui, ich wollte ihn an diesem Tag nicht am anderen Ende des Strickes gehabt haben, aber Nora meisterte diese Situation recht gut und Taranto wurde etwas ruhiger. Kurze Zeit später wurden Tarantos Beine immer schlechter und ich entschloss mich kurzer Hand ihn in die Klinik nach Delbrück zu bringen – ein weiteres Drama, was Hängerfahrt und Aufenthalt dort betraf – ich ließ ihn für eine Woche dort.

 

Taranto wusste nun gar nicht mehr wo er hingehört, wurde zunehmenst verstörter im Verhalten. Wieder im Stall angekommen (zu Hause), war er verbittert, aggressiv und manchmal in seiner Box unberechenbar. Als ich ihn nach dem Klinikaufenthalt das erste Mal in die Halle bringen wollte, fing er gleich nach der Eingangstür an zu steigen und mich anzugreifen – er wollte da nur noch raus. Ich verzweifelte innerhalb von wenigen Sekunden und Martina, die Stallbesitzerin, eilte mir zur Hilfe. Nun sie hatte weniger Angst, kam jedoch mit Taranto auch nicht zurecht und so stürzte er ohne Martina durch die Hallentür raus. Ich dachte nur noch – ab in die Box!!! So nun hatten wir den Salat – ich hatte tatsächlich Angst vor meinem eigenen Pferd – ein Pferd, dass nun schon seit Monaten verletzt, verbittert und gefrustet mit Schmerzen in einem anderen Land steht, das die Welt nicht mehr versteht und den Menschen niemals als „Freund und Helfer“ erlebt hat. Ein Pferd, das lieber seine Freiheit sucht, allerdings mit solcher auch nicht umgehen kann.

Taranto war völlig verhaltensgestört und ich gab mir zu Teilen auch die Schuld daran. Immerhin hatte er sich hier in Deutschland verletzt und ich konnte ihn nicht überzeugen, dass ich es gut mit ihm meine. Zudem die vielen Stallwechsel, die Klinikaufenthalte – ich hatte meinen Anteil, dass Taranto so geworden ist, mal abgesehen davon, dass mir natürlich charakterlich ein anderes Pferd versprochen wurde, aber auch daran habe ich selbst Schuld – ich war blind zu glauben, dass ich ein gesundes braves Pferd aus Spanien erhalte!

 

Nachdem ich Taranto nach diesem Vorfall erst einmal einen Tag in seinem Stall + Paddock ließ, kam Nora wieder, um mit ihm in die Halle zu gehen – auch hier wollte er lieber ohne Nora die Halle verlassen, schaffte es auch die ersten drei Male. Nun diese ganzen Kämpfe waren Gift für sein verletztes Bein – keine zwei Tage später ging es ihm so schlecht, dass ich wieder mit ihm in die Klinik fuhr nach Delbrück – dieses Mal kamen extra meine Eltern aus Norddeutschland mit ihrem Anhänger angefahren, ich sedierte Taranto und mit viel Adrenalin im Blut ging es nun wieder in die Klinik. Dort hieß es zunächst Taranto hätte einen allergischen Schock – ich sollte ihn dort lassen. Nach einer Woche lag Taranto in der Klinik mit über 40 Grad Fieber, der Tierarzt rief mich an und sagte mir, er hätte einen Virus und er wüsste nicht, ob er das überlebt! Ich war geschockt, nun war er wegen seiner Verletzung und einem allergischen Schock in der Klinik und nun auch noch ein Virus. Ich fuhr die 150km in die Klinik – ich fand mein Pferd völlig lethargisch vor – er war gar nicht ansprechbar. Wirkte apathisch und völlig in einer anderen Welt, sein Magen war durch die ganzen vorherigen Entzündungshemmer völlig geschwächt, er setzte nach jeder Mahlzeit zur Kolik an in der Klinik. Nach 14 Tagen durfte ich ihn wiederholen – ich war heilfroh, dass er das überlebt hatte, war froh ihn wiederzuhaben. Seine Abwesenheit änderte sich jedoch schlagartig, nachdem es ihm zu Hause im Stall wieder besser ging. Ich holte mir immer wieder Nora zur Hilfe – immerhin schaffte ich es irgendwann allein mit ihm in die Halle.



Dort allerdings kam es wiederum zwischendrin zu einem bösen Zwischenfall. Taranto kam es in den Sinn aus der Halle zu fliehen und ging dabei (weil ich generell für ihn diejenige war, die schuldig an allem Übel ist) auf mich steigend, mit gebleckten Zähnen los… Ich wich zurück, völlig erschreckt über diese aggressive Geste und eingeschüchtert von der Größe und Stärke dieses gewaltigen Pferdes. Da war es (eigentlich zum 2. Mal) passiert: Ich hatte Angst – eine Angst, die sich völlig festsetzte in mir. Ich wurde sie nicht mehr los. Auch Nora wusste mir zu diesem Zeitpunkt keinen wirklichen Rat, denn nun war zu Tarantos schwierigen Charakter ein riesiges Problem dazu gekommen. Angst ist ein schlechter Ratgeber, aber man wird sie auch nicht einfach so los – sie sitzt so unglaublich tief.

 

Nora gab mir den Rat, mich vielleicht in meiner Verzweiflung an Karin zu wenden – sie würde auch so etwas wie Tierkommunikation durchführen. Nun ich war neugierig – vielleicht konnte Karin mir helfen mit Taranto Kontakt aufzunehmen – ich selbst war schon völlig verzweifelt, ich wusste auch nicht mit meiner Angst umzugehen – immerhin konnte ich ein solch verhaltensgestörtes Pferd mit dazu solchen Verletzungen nicht oder niemals in gute Hände verkaufen.

 

Zudem fühlte ich mich aber auch nicht in der Lage, die Situation selbst zu meistern. Karin gab mir zunächst einige Bachblüten mit auf den Weg. Nach nicht allzu langer Zeit kam ein weiteres einschneidendes Erlebnis zwischen Taranto und mir – ich wollte nur in seine Box, streifte ihn am Hals mit meiner Hand, eigentlich um ihn zu streicheln – nun, Taranto war schon von Anfang an sehr schwierig in der Box – er wollte alle Menschen aus diesem Raum verbannen.

 

An diesem Abend stieg er durch diese leichte, eigentlich freundliche gemeinte Geste auf mich innerhalb der Box zu, bleckte wieder mit aufgerissenem Maul die Zähne. Ich wich zurück, hinter mir die offene Boxentür, die ich in Panik rückwärts raustaumelte und zuschlug – in diesem Moment drehte Taranto sich noch einmal um und schlug gegen die nun zum Glück geschlossene Tür. Ich war so entsetzt, dass ich lange an seiner Box stand und mir die Tränen nur so herunterliefen – was hatte ich falsch gemacht, dass mich dieses Pferd so sehr hasst??? Ich konnte das auch nicht mehr NICHT persönlich nehmen – immerhin hätte ich tot sein können – Taranto jedenfalls hätte da nicht um mich getrauert – es war auch kein Versehen. Diese Wut und der ganze Frust in seinen Augen machte mich komplett verzweifelt – mir war so viel Aggression in meinem Leben bisher nicht entgegen gebracht worden.

 

Völlig verzweifelt berichtete ich Nora und Karin von diesem Erlebnis – in meinem Leben habe ich nie so viel geweint wie um die Situation in der ich mich dort befand. Ausweglos…viele rieten mir, Taranto einschläfern zu lassen. Natürlich war das für mich keine Lösung – allerdings hatte ich auch tatsächlich keinen Plan wie es weitergehen sollte – immerhin durfte Taranto sich nicht viel bewegen wegen seiner Verletzung, holte ich ihn aus der Box, wurde das zwangsläufig zu einem großen Kampf – und diesen großen Kämpfen fühlte ich mich zudem nicht einmal gewachsen. Ein Teufelskreis…

 

In meiner Verzweiflung half mir Karin und auch Nora oft mit viel Zuspruch. Karin sagte mir immer, ich müsse Geduld mit ihm haben. Nun Geduld dachte ich, das ist schön und gut, aber ich hatte ja nun mal auch Angst und da Taranto alles andere als dumm ist, hat er jede falsche Bewegung ausgenutzt. Ich beschloss Taranto nur noch auf Abstand an der Longe zu arbeiten – das ging Wochen und Monate so – mal besser, mal schlechter. In mir kroch allerdings immer das Gefühl hoch, ich hatte versagt, immerhin traute ich mich nicht einmal mehr ihn zu führen in der Halle.

 

Versuchte ich es, merkte ich selbst, dass ich unsicher war, Taranto merkte es noch viel schneller, biss im Sekundentakt zu mir, drängelte mich mit seiner Schulter weg und wenn das nicht half, fing er an zu steigen – kerzengerade vor mir hoch. Man, war dass ein Teufelskreis!!!

 

Ich beschloss das Bodentraining mit Nora erst einmal einzustellen – zum einen, weil es in der Situation mit seiner Verletzung nicht förderlich war, zum anderen, weil mir einfach auch langsam das Geld fehlte.

 

Nach einer Woche kam eine andere Reitlehrerin – Uta – sie kam für andere Einstaller öfter an den Stall. Ich dachte, es kann nicht schaden, wenn sie mir vielleicht mal zeigen kann, wie man Taranto richtig führen kann. Nun, Uta, eine völlig taffe Frau, groß und mit einer riesigen inneren Größe, nahm Taranto an die Leine.

Taranto biss im Sekundentakt nach ihr, drängelte sie weg mit der Schulter, wurde aggressiv, als er merkt, Uta weicht nicht zurück. Während dieses ganzen Kampfes, dachte ich, schön, so werde ich niemals neben diesem bissigen Pferd herlaufen.

 

ICH werde nie so taff sein, dass ich mich davon nicht beeindrucken lassen würde. Taranto war Taranto und Ich war Ich…

 

Uta, fragte mich nach ein paar Runden, was so passiert war – ich erzählte ihr von den bösen Vorfällen, merkte selbst, dass mir sofort die Tränen in die Augen stiegen. Sie meinte, dass sie es versteht. Aber sie sagte mir auch, dass das MEIN Pferd ist und ich innerlich viel Stärke und Ruhe haben muss, viel mehr als sie selbst, um mit ihm dadurch gehen zu können – aber es ist DEIN Pferd sagte sie. Sie sagte mir immer wieder „Atmen – tief ein und aus“ werde groß neben ihm, gib ihm Sicherheit.

 

Ich verstand, was sie mir sagen wollte, aber ich konnte es nicht umsetzen – Taranto schüchterte mich jedes mal, als ich allein war mit ihm wieder, ein.

Aber Utas Worte trafen mich tief: MEIN Pferd!! Ich muss IHM Sicherheit geben, ICH muss ruhig bleiben, ihn nie bestrafen, nur Grenzen setzen und sie sagte, ich müsse dieses Pferd mit STOLZ führen. Uta war in den vergangenen Monaten insgesamt 3-4 Male da.

Sie hat mit Taranto selbst gar nicht so viel gemacht, aber ihre Worte haben mich sehr berührt. Sie stellte einfach auch nicht in Frage, dass es MEINE Aufgabe ist. Mit dieser innerlichen Einstellung machte ich also alleine weiter mit Taranto – führte ihn immer mal wieder Meter für Meter, und ließ ihn dann wieder länger, wenn er sich bedrängt fühlte… Woche um Woche ging es so. Bis vor kurzem ein spätwinterlicher Sturm draußen für Tage losbrach.

 

Dementsprechend knallte es häufig in der Reithalle durch den starken Ostwind– Taranto war außer sich, wollte weder linksrum noch rechtsherum laufen und dann geschah es – er stieg wieder kerzengerade vor mir hoch. Dieses Mal war ich wütend, instinktiv wich ich ihm nicht aus, sondern erwischte ihn mit dem Strick. Taranto war verdaddert – so etwas kannte er nun nicht von mir- er fand das merkwürdig und lenkte ein. Ein positiver Tag, dachte ich. Bis der nächste Tag kam, wieder der Sturm, Taranto wieder völlig in Rage und voller Angst, dadurch auch wieder völlig respektlos mir gegenüber.

 

Nun hatte ich die Schnauze voll – ich war wütend, wurde aber ihm gegenüber nicht ungerecht, aber unmissverständlich deutlich. Ich nahm ihn am kurzen Strick (Führen, dass was ich Monatelang vermied). Taranto natürlich biss immer mal wieder zu mir rüber – ich wies ihn nun mehr als deutlich zurecht. Gut sagte sich Taranto, mal sehen, was sie macht, wenn ich wieder mit der Schulter wegdrängel… ich nahm die stumpfe Seite des Strickes und hielt impulsweise deutlich dagegen. Nun war Taranto verblüfft, er versucht mich mit seinen Hinterhufen zu kicken – ICH wies ihn wieder zurück auf seinen Platz – das ganze Spektakel dauerte eine Stunde – danach lief er wohlbemerkt durch die ganze Halle neben mir und fing die Diskussion nur noch jede Runde und nicht mehr jede drei Meter an.

Ich war so stolz an diesem Tag!!! Ich hatte keine Angst mehr – sie war wie weggeblasen und Taranto nahm das zur Kenntnis. Am nächsten Tag, hatte ich etwas Zweifel, ob meine Angst wiederkommen könnte. Nun, ich weiß, dass es Situationen gibt, bei denen ich Taranto Zeit gebe zum überlegen, aber ich bin schneller geworden in der Suche nach Alternativen. Jeden Tag testet Taranto – wirklich JEDEN Tag, aber seither machen wir riesige Fortschritte.

 

Taranto schnaubt in der Halle neben mir, er läuft mit gesenktem Kopf neben mir her, völlig entspannt auch wenn nur zeitweise, er lässt sich anfassen ohne, dass er mich beißt. Ich stelle ihn in die Box zurück und er ist freundlich, entspannt, ausgeglichen.

 

Mal abgesehen von 1000 Zusatzmittelchen, Bachblüten, Tierkommunikation, Tipps von Pferdetrainern – alles hat in diese Entwicklung reingespielt, aber das entscheidende lag woanders.

Man muss nicht nur WOLLEN - man muss es FÜHLEN. Das ist ein harter Weg, aber er lohnt sich.

 

Seit ein paar Tagen habe ich Taranto gesattelt – er findet es klasse – vermutet wohl seine neue Aufgabe dahinter J

 

Ich habe durch Taranto auch gelernt, mehr auf mich selbst zu hören, authentischer zu werden, und vor allem Entscheidungen zu treffen – zu fühlen, was das Richtige ist – momentan sind wir uns selbst genug ohne Pferdetrainer und ohne gut gemeinte Tipps – wir müssen uns erst einmal finden und wir entwickeln eine großartige Beziehung zueinander – ich möchte kein anderes Pferd mehr haben – ich würde ihn nie hergeben!

Danke Karin, Danke Nora, Danke Uta und an alle meine Freunde und Bekannten sowie meine Familie für die seelische und tatkräftige Unterstützung und den Zuspruch.

 

In diesem Drama haben mich sehr viele Personen unglaublich unterstützt, aber die wenigsten haben wirklich an uns geglaubt! Ich selbst habe lange nicht mehr an uns geglaubt – das ist das Wunder, was mir passiert ist. Nun weiß ich, dass wir noch einen langen Weg haben – aber WIR schaffen das, egal, ob Taranto mir noch 1000 mal den Hintern zudreht – im Grunde mag er mich ja Ja. Er prüft nur gerne jeden Tag, ob ich unsere Freundschaft noch wert bin. Ein kluges Pferd oder? Irgendwann wird er es wissen und dann erwartet uns eine große vertrauensvolle Beziehung! Ich freue mich darauf!


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