Teddys Weg

Das ist eines der letzten Bilder, die ich von Teddy habe. (Dez. 2012)

Ich war 22 Jahre lang Teddys Mensch, ein Riesenglück für mich. Grad in den letzten Jahren sind wir uns noch näher gewesen, auch weil ich dank der TK mehr über ihn kapiert habe.

 

Ich hatte seit langem Angst um ihn, er hatte viele gesundheitliche Themen und Probleme und konnte sich seit etwa einem halben Jahr kaum noch hinlegen- Der Sommer war manchmal hart, wenn das Wetter extrem war…

 

Im Herbst fand ich ihn an einem etwas zu warmen Sonntag auf der Wiese liegend vor, ich bin direkt hingesaust und stellte fest, dass es ihm nicht gut geht. ich habe erst mal, um nicht durchzudrehen, den wundervollen Stallbesitzer um Hilfe gebeten, der kam auch direkt und wir versuchten, Teddy beim Aufstehen zu helfen- er wollte nicht.

 

Nach einiger Zeit und einer Schmerzmittelgabe war ich mir zunehmend sicher, dass er nicht mehr will und die Tierärztin war unterwegs. Ich sagte ihm immer wieder, dass er entscheiden kann und dass er auch gehen kann, wenn er denn will. Pat half mir ein bisschen via Telefon.

 

Diese Stunden waren furchtbar... Schließlich, als die Tierärztin noch wenige Momente entfernt war, stand Teddy auf. Ich habe an diesen speziellen Moment keine Erinnerung, als hätte ich es nicht gesehen, dabei stand ich nebendran.

 

Das Aufstehen war immer ein schlimmes Bild.. Er erholte sich schnell und es ging ihm wieder recht gut, er hat sich in der Folge sogar ein paar Mal in der Box hingelegt zum Schlafen.

 

Nach diesem Erlebnis war ich natürlich noch dankbarer um die Zeit mit ihm – es war schon klar, dass er mit 23 nicht mehr ewig zu leben haben würde. Es ging ihm aber ganz gut und wir hatten schöne Wochen mit viel Leckerchen, Kuscheln und Sachen machen, die er mochte.

 

Seit ein paar Jahren erzählte ich Teddy ab und zu, dass er gehen kann, wenn er will und bleiben kann, solange er will. Ich hatte immer sehr viel Angst um ihn, wegen seiner vielen gesundheitlichen Beschwerden und wollte so gerne, dass ihn meine Angst nicht so sehr beschäftigt. Ich habe die Versorgung noch weiter zu optimieren versucht, weil ich sah, dass der Magen nicht so gut war – warmes Wasser, Mash, viele Miniportionen Kraftfutter, kurze Zeit ohne Raufutter auf der Wiese, viel Bewegung, so oft inhalieren als möglich.

 

Dann hatte ich eine OP und konnte einige Tage nicht da sein. Teddy wurde toll versorgt und schien sich wohl zu fühlen… ich war sehr beruhigt. Ich kam wieder und konnte ihn einige Tage gut versorgen, obwohl ich mich eigentlich kaum bewegen konnte.

 

Am 20.12 erhielt ich um kurz nach 7, als ich bereits unterwegs war zum Stall einen Anruf, der mir das Herz sinken ließ – Teddy liege auf seinem Boxenpaddock und wolle nicht aufstehen.

 

Ich rief Karin an – er habe Bauchweh, er wolle noch nicht gehen. Ich bestellte die Tierärztin und sagte am Stall Bescheid, dass er Bauchweh habe. Als ich eintraf, holte ich schnell die Globuli, die Karin empfahl und sah direkt, dass es schlimm ist – Teddy war praktisch nicht ansprechbar. Dann kam die Vet und er bekam Medikamente, natürlich fand sie auch Koliksymptome. Abwarten -… nach Aufstehen fragen – er wollte nicht.

 

Karin anrufen – kein Empfang.

Wir haben ihn dann einmal umgedreht, damit er überhaupt eine Chance hat, auf dem dafür nicht so geeigneten Paddock aufzustehen. Es gab Vorschläge wie den Trecker dazu zu nehmen oder ihn aus dem Paddock zu ziehen – das kam nicht in Frage für mich. Wieder versuchen, wieder kein Wille.

 

Wieder anrufen, Karin sagt, sie nähme Kontakt auf. Warten, wieder anrufen, dazwischen immer wieder Teddy sagen, dass er entscheiden kann, dass ich tue, was er will. Meine wundervollen Helfen wundern sich vielleicht, ich habe keine Ahnung, es war mir egal und ich habe auch nicht danach gefragt. Ich hatte sehr das Gefühl, dass Teddy gar nicht mehr richtig da war… Meine Entscheidung , ihm beim Gehen helfen zu lassen, war bereits recht deutlich.

 

Wieder anrufenbei Karin – sie sagte er sende Bilder von Blut im Bauch. Ein furchtbar schwieriges Telefonat, Karin fällts schwer, mir fällts schwer, ich will zurück zu Teddy (dort ist kein Empfang) und doch auch weiterreden… furchtbar. Karins Worte waren der letzte kleine Beitrag, den ich zur Entscheidung brauchte, die ja bereits klar in meinem Kopf und Herzen war… er darf gehen und das genau jetzt, nichts weiter probieren! Also zurück und den überraschten Helfern gesagt, dass ich möchte, dass er geht. Nun dauert es ein wenig, bis die arme Tierärztin, die sichtlich mitleidet, die Spritzen fertig hat, sie erklärt mir alles, ich erkläre Teddy und ich bestehe auf der fettesten Narkose – klar. Er wird sediert , hebt kurz den Kopf, aber nicht bewusst, so scheint es. Dann ist er sehr friedlich und ruhig gegangen und ich hatte noch ein wenig Zeit bei ihm.

 

In der Folge habe ich mit vielen Menschen gesprochen (Danke an diejenigen die das lesen und die ich meine) , viel nachgedacht und kam zu der Gewissheit, dass er nun ohne Schmerzen irgendwo glücklich ist… das ist gut. Ich habe Bilder dazu im Kopf, das ist sehr wertvoll für mich.

 

Das ist eine Idee, die sich meinem naturwissenschaftlich getrimmten Hirn etwas schwer erschließt – ich bin trotzdem sicher, dass er irgendwo ist und es ihm gut geht und ich habe dank Karin sogar schöne Bilder dazu im Kopf.

 

Es war dann am Ende (es ist noch keine Woche her, während ich schreibe) möglich, mein Versprechen zu halten, klar zu kommen und los zu lassen, und dieses Versprechen war und ist für mich sehr bindend. Die positiven Bilder im Kopf sind wichtig…. Und dass ich realisiere, wie leicht er es mir gemacht hat. Dafür bin dankbar, wie für die 22 Jahre, die wir hatten.

 

Ich möchte gerne mehr darüber wissen, was nun mit ihm ist… das ist naturgemäß nicht so einfach. Das Nachdenken darüber bewegt mich grad sehr.

 

Karin hatte mir vor langer Zeit schon immer wieder gesagt, ich solle ein zweites Pferd haben. Nun gehört neben Wille und Wunsch auch Zeit und Geld dazu.. in diesem Jahr habe ich begonnen zu suchen und der Kauf stand für 2013 an. Ich hatte wenige Pferde angeschaut, 2 im Kopf und eines davon begann ich dann im Frühherbst regelmäßig zu besuchen. Vor einigen Wochen war mir klar (nach einem Gespräch mit Karin…) dass ich mich für ihn entschieden habe.

 

Die Umsetzung dieser Entscheidung war anders geplant… aber nun erfolgt sie sehr schnell. Er ist schon unter meiner Obhut, die Formalien werden folgen. Ich weiß, dass diese Entscheidung es Teddy leichter gemacht hat und deshalb kann ich offenen Herzens die Dinge trennen – die Trauer um das beste Pferd, was ich je erlebt habe und die Freude an dem Kleinen und das Kennen Lernen und sich einlassen.




E-Mail